Wohnen: Dann bauen wir eben höher

Immobilienmaklerin Regina Stanger über die Gründe, warum Wohnen in Tirol so teuer ist und nur wenig dagegen getan werden kann. Und was doch möglich ist.

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Von Michaela Spirk-Paulmichl

Innsbruck –Wohnen müsse wieder leistbar werden, heißt es rechtzeitig zum Wahlkampf. Nur über das Wie scheiden sich die Geister. Während in Wien etwa über strengere Regeln für den Gemeindebau diskutiert wird, geht es für die Wohnungssuchenden in Tirol, dem teuersten Pflaster Österreichs, um ganz andere Probleme. Wer heute in Innsbruck eine Wohnung kaufen will, zahlt rund 20 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die Zunahme bei den Mieten fiel zwar geringer aus, aber auch sie stiegen kontinuierlich an.

Regina Stanger, Spartenobfrau der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Tirol, sieht mehrere Gründe für die hohen Preise für Wohnungen in Tirol: „Innsbruck ist eine wunderschöne Stadt mit guten Lebensbedingungen und entsprechendem Zuzug, aber nur sehr wenig Grund und Boden. Mit der Nachfrage steigen die Preise.“ Doch das ist nur die Ausgangssituation: Mit der Wirtschaftskrise sei das Vertrauen in die Banken gesunken. „Wer Geld hat und es sicher anlegen möchte, kauft sich heute Immobilien.“ Dazu kommen geringe Zinsen bei der Finanzierung, hier spielen mehrere Faktoren zusammen. Der Effekt: Die Nachfrage stieg noch weiter an, die Preise zogen nach. Dazu komme, dass nur sehr wenige Wohnungen am Markt seien, so Stanger: „Wer nicht verkaufen muss, tut es derzeit auch nicht.“ Für die Immobilienmakler bedeute das, dass sie praktisch jede Wohnung sofort verkaufen könnten, sofern die Preisvorstellungen nicht völlig überzogen seien. Doch generell gehen große, teure Objekte genauso gut weg wie billige.

Stehen Grundstücke zum Verkauf an, würden diese meistens an die Gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften gehen, Private hätten es dagegen schwer.

Während Junge aus Innsbruck in die günstigeren Umlandgemeinden ziehen, kehren Ältere, die es sich leisten können, oft wieder in die Stadt zurück. „Sie wollen wieder im Zentrum leben, wo sie zu Fuß alles erreichen können.“ Und noch ein weiterer Trend: Wegen der hohen Wohnungspreise sei zuletzt die Nachfrage nach Wohngemeinschaften auch bei alleinstehenden Berufstätigen gestiegen, berichtet Spartenobfrau Stanger. „Sie machen neben den Studenten bereits ein Drittel aller WG-Bewohner aus.“

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Die höchsten Preise für Neubauwohnungen seien in Innsbruck derzeit im Stadtteil Saggen zu finden, wo bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter gezahlt werden müssten, manche sprechen auch von 7000 Euro und mehr für sehr gute Lagen. Durchschnittlich seien es 3500 bis 4000 Euro.

Änderungsbedarf gebe es nach Meinung von Spartenobfrau Stanger beim Mietrechtsgesetz: „Junge Familien müssen hochpreisige Wohnungen anmieten, während andere 200-Quadratmeter-Wohnflächen zum Preis von Garçonnieren für sich allein beanspruchen. Ihnen kann man keinen Vorwurf machen, doch da gehört was geändert.“ Leider wolle sich niemand dieses Themas annehmen. Doch wer das Problem der hohen Wohnungspreise als gesamtes angehen wolle, komme wohl nicht darum herum. Ein anderes Thema seien die Kosten für die Vergebührung: „Hier ist Österreich eine Ausnahme in der EU, in anderen Ländern gibt es das nicht!“ Diese Kosten sollten endlich abgeschafft werden, erinnert Stanger an eine langjährige Forderung. „Der Staat kassiert hier ungerechtfertigt.“ Wer eine Wohnung mietet, benötigt einen Vertrag, für den ein Prozent des Brutto-Mietzinses von drei Jahren anfällt. Zieht er schon früher aus und in einer anderen Wohnung wieder ein, muss er wieder zahlen.

Weitere Möglichkeiten, beim Bau von Wohnungen die Kosten zu senken, sieht Stanger sonst nur noch darin, auf Lifte und zusätzliche Autoabstellplätze zu verzichten und – höher zu bauen.


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