Rektoren denken an gemeinsame Wege in der Ausbildung

Die neue Lehrerausbildung sieht ein Eignungsverfahren für alle Studierenden vor. In Tirol machen Uni und Hochschule einander Angebote.

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Von Sabine Strobl

Innsbruck –In regelmäßigen Abständen erinnern Bildungsexperten an die zunehmend wichtige Rolle, die Lehrer in der Erziehung einnehmen, und fordern daher die besten Kräfte für diesen Job. Auswahlkriterien kommen auch im Gesetzesentwurf zur gemeinsamen Lehrerausbildung zum Tragen. So sollen sich alle Studierenden einer Eignungsprüfung und einem Aufnahmeverfahren unterziehen. „Absolut richtig“ findet es Markus Juranek, Rektor der Pädagogischen Hochschule Tirol (PHT), wenn sich nicht nur die Studenten der Pädagogischen Hochschulen dem Aufnahmeverfahren stellen, sondern auch die Studenten der Universitäten. Letztere durchlaufen derzeit eine Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP). Es würde ein schiefes Bild machen, wenn ein Student, der von der Pädagogischen Hochschule als ungeeignet abgewiesen wird, einfach an die Uni geht. Wie Juranek fortfährt, sammelt die PHT seit fünf Jahren Erfahrungen mit Eignungstests. Das mehrschichtige Verfahren erstreckt sich über Tage. Deutschkenntnisse werden dabei ebenso unter die Lupe genommen wie „Situationsperformance“. Juranek: „Wir verbessern das Verfahren jedes Jahr und gehen mit entsprechender Vorsicht heran, denn wir wollen niemandem die Zukunft verbauen. Gerne würden wir mit der Uni zusammenarbeiten.“ Der Rektor verweist auf wissenschaftliche Studien, die besagen, dass man ein Jahr braucht, um festzustellen, ob ein Lehrer geeignet ist. In der Schweiz werde etwa nach einer Startzeit noch einmal geprüft, ob sich der Studierende für den Lehrberuf eigne. Soweit würde Juranek aber nicht gehen. 12 bis 20 Prozent der Bewerber werden derzeit wieder abgewiesen. 440 Ausbildungsplätze gibt es heuer.

800 Maturanten begannen letztes Jahr ein Lehramtsstudium an der Uni Innsbruck. 600 blieben nach der Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP) übrig. Roland Psenner, der für die Lehre zuständige Vizerektor der Uni Innsbruck selbst gibt sich von den STEOPs überzeugt. Doch: „Ein guter Weg wäre es, zusammen Ideen zu finden.“ Er würde künftig Lehrer gerne aus dem Schulsystem herausholen. „Ich sehe den Gesetzesentwurf als Aufforderung, dass Hochschulen und Unis die Lehrerausbildung gemeinsam in die Hand nehmen“, gibt sich Psenner vorsichtig. Prinzipiell sei bezüglich Lehrerausbildung die Trennung in Pädagogische Hochschulen und Unis nicht sinnvoll. Da stecke Österreich noch im 20. Jahrhundert.

Psenner will einer gemeinsamen Stellungnahme der Universitäten zur Reform nicht vorgreifen. Zwei zuständige Ministerien müssten aber Kompromisse schließen und die seien oft schwer umsetzbar. In einem Punkt sind sich die Tiroler Rektoren bereits einig. Sie beobachten eine zunehmende Attraktivität des Lehrberufs, auch bei Männern.


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