Täglich Blitzableiter zwischen parkenden Autos

Ein 36-Jähriger sorgte zuletzt in Zams für Aufsehen, weil er einen Parkwächter wegen einer Strafe attackierte. Übergriffe stehen in Tirol an der Tagesordnung.

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Von K. Zierl und C. Mair

Innsbruck –Verständnis? Fehlanzeige. Wer einen Strafzettel wegen Falschparkens erhält, bleibt selten gelassen. Immer wieder kommt es aber auch zu beleidigenden verbalen Übergriffen und körperlichen Attacken. Erst vor Kurzem ging ein 36-Jähriger in Zams auf einen Parkwächter los, weil er mit seiner Strafe nicht einverstanden war – die TT berichtete.

Verbale Attacken seien die Regel, tätliche Angriffe mittlerweile zum Glück die große Ausnahme, sagt Hermann Falkensteiner, Landesleiter für Tirol und Vorarlberg beim Sicherheitsdienst „G4S“ (früher Group 4). Seit Anfang 2012 habe es drei Fälle von Körperverletzungen an Mitarbeitern gegeben, bilanziert Falkensteiner. Zwei davon seien nicht in Innsbruck, sondern in kleineren Orten passiert.

Auch wenn die Parkwächter dabei keine schweren Verletzungen davontrugen, würden den Angreifern ernste Konsequenzen drohen. „Die Straßenaufsichtsorgane sind vereidigt und für ihren Dienst im Beamtenstatus. Deshalb werden die Angreifer wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt“, betont Falkensteiner. Auch sei jede Körperverletzung eines Beamten automatisch eine schwere.

Etwa 60 „G4S“-Mitarbeiter kontrollieren in rund 20 Tiroler Gemeinden Parkzonen und Parkverbote. Auch in Innsbruck fallen die gebührenpflichtigen Kurzparkzonen in ihren Hoheitsbereich. Für den richtigen Umgang mit uneinsichtigen Parksündern würden die Bediensteten speziell geschult. „Seit eineinhalb Jahren bieten wir ein Deeskalationstraining an, in dem gezeigt wird, wie man mit aggressiven Personen umgeht“, erklärt Falkensteiner. Das habe sich bewährt. Dennoch brauchen die Parkwächter eine dicke Haut. Denn an Schimpfwörtern werde ihnen so alles an den Kopf geworfen, was nur vorstellbar sei, weiß Falkensteiner.

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Auch Elmar Rizzoli vom Innsbrucker Stadtmagistrat bestätigt, dass die Parkwächter häufig beschimpft werden. Die MÜG (Mobile Überwachungsgruppe der Stadt Innsbruck) ist für die gebührenfreien Kurzparkzonen zuständig. „Es gibt laufend verbale Übergriffe. Gott sei Dank kam es in unserem Bereich noch nie zu einer körperlichen Attacke“, sagt Rizzoli. Die Mitarbeiter der MÜG – zwei bis drei sind rund um die Uhr im Einsatz – erhalten regelmäßig psychologische Betreuung. „Der Druck ist groß. Unterstützung ist wichtig“, sagt der Chef der Mobilen Überwachungsgruppe.

Immer mehr Leute würden sich wegen falsch geparkter Fahrzeuge beschweren, sagt Rizzoli: „Der Parkraum wird immer kleiner, viele stellen ihr Auto in Anwohnerzonen ab“, sagt Rizzoli. Gleich abgeschleppt werde man allerdings nur, wenn man auf einem Behindertenparkplatz, auf Haltestellen, in einer Abschleppzone oder in Ladezonen parke – oder die Ausfahrt eines Anrainers behindere. Bei normalem Halteverbot gibt es ein Organmandat.

Alles, sagt Rizzoli, müssten sich Parkwächter übrigens nicht gefallen lassen: „Es gibt ja das Vergehen der Ehrenbeleidigung. Wenn es also unter die Gürtellinie geht, folgt eine Anzeige.“ Den Mitarbeitern werde zwar geraten, bei verbalen Attacken ruhig zu bleiben: „Aber es gibt Grenzen“, erklärt der Chef der MÜG. Wer sich wegen einer Parkstrafe zu sehr aufregt, sollte sich die verbale Entgleisung jedenfalls zweimal überlegen: „Wenn es erstmal zu einer Anzeige kommt, dann beträgt die Strafe rund das Zehnfache der eigentlichen Parkstrafe.“


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