Pressestimmen: „Steueroasen bedrohen die Demokratie“

Internationale Pressestimmen zum globalen System der Steuerhinterziehung, welches von einem internationalen Journalistenkonsortium aufgedeckt wurde.

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DEUTSCHLAND

„Süddeutsche Zeitung“: Recherchen entlarven die Heuchelei

„Die von der Süddeutschen Zeitung als Teil eines Pressekonsortiums aufgedeckten Listen mit Nutznießern des Finanzbunkersystems ermöglichen den Einblick in ein globales System der Steuervermeidung und Vermögensverschleierung. Es mag sein, dass diese Recherchen nur das bestätigen, was viele Bürger schon ahnten. Aber nun erhält der Reichtum Gesichter; die Recherchen entlarven die Heuchelei (zum Beispiel in der französischen Regierung); sie machen den Reichtum bekannt. Das wirkt entmythologisierend. Gewiss: Nicht alles Geld in den Bunkern ist schwarzes Geld. Steuerhinterziehung ist nur die eine Schande. Die andere besteht darin, dass die Finanzplätze dazu dienen, Steuerzahlungen legal zu umgehen.“

„Spiegel.de“: Deutsche Fiskusbetrüger müssen jetzt zittern

„Noch sehen etwa die Staatsanwaltschaften keinen Anlass für neue Ermittlungen. Wenn künftig aber Namen von Bundesbürgern auftauchten, werden sie eigenen Angaben zufolge aktiv. Und prüfen, ob den Behörden Vermögen verschwiegen worden ist - also Steuern hinterzogen wurden - oder ob gar Geld aus Straftaten gewaschen wurde. Das könnte nach Einschätzung von Experten geradezu eine Lawine lostreten - und bei den Betroffenen für Bangen sorgen. Steuerbetrüger müssen mit bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen, ab einer unterschlagenen Summe von einer Million Euro ist in der Regel keine Bewährungsstrafe mehr möglich.“

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FRANKREICH

„Le Monde“: Steueroasen bedrohen die Demokratie

„Diese Zeitung hat mit Hilfe einer Gruppe internationaler Journalisten seit mehreren Monaten Steuerparadiese weltweit untersucht. (...) Das grundsätzliche Problem dabei ist, dass Steuerparadiese die Demokratie bedrohen. In diesem offensichtlich grenzenlosen Bereich juristischer Fantasie verbergen sich unvorstellbare Summen hinter Scheinfirmen. Reiche Privatleute sollen dort Summen horten, die insgesamt dem Bruttoinlandsprodukt der USA und Japans zusammengenommen entsprechen. Unsere Politiker haben entgegen aller Zusicherungen nicht wirklich durchgegriffen. Die Regeln zur Kontrolle von Geldwäsche und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit müssen verschärft werden - wenn die Politiker mit ihren Forderungen nach politischer Moral glaubwürdig bleiben wollen.“

„La Croix“: Schüchterne Basteleien gegen Steuerflucht

„Seit Jahren gehen Regierungen gegen Praktiken der Steuervermeidung und gegen Steueroasen vor. In der Finanzkrise scheint der Kampf gegen Steuerflucht Priorität bekommen zu haben. Doch die Ergebnisse entsprechen nicht den Erwartungen. Es wird geschätzt, dass in Frankreich durch Steuerflucht etwa zehn Prozent der Steuereinnahmen verloren gehen, etwa 50 bis 60 Milliarden Euro. Die Regierungen haben in ihrer Zaghaftigkeit die gewaltige Aufgabe einer gründlichen Regulierung der Steuerzahlungen nicht entschlossen genug angepackt. Auch aus schändlicher Kumpanei haben sie Vertuschung weiter toleriert. Es wäre an der Zeit, statt schüchterner Bastelarbeiten wirkungsvolle Projekte vorzustellen.“

ITALIEN

„Corriere della Sera“: Die Liste des Skandals

„Der Vorhang ist oben. Man sieht den multinationalen Steuerbetrug. (...) Das Resultat ist eine öffentliche, endlose Liste von Schlaumeiern, Pfiffikussen und Schlitzohren. Oder von vermutlich denjenigen, die dank tausenden von ‚magischen Beratern‘ und professionellen illegalen Spielern anonym ihr wirkliches Vermögen versteckt haben, um damit auf große Shopping-Tour zu gehen und sich Häuser, Schiffe und Gemälde zu kaufen. (...) Jetzt, wie ein schmerzvoller Nadelstich, fallen nach und nach die Namen. Wir sind noch am Anfang.“


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