Up-wärts geht es auch mit Erdgas

Eine Zeitlang hat der Volkswagen-Konzern bei alternativen Antrieben und alternativen Energieträgern zugeschaut – doch seit Kurzem forcieren die Wolfsburger Hybridtechnik und erweitern ihr Angebot mit Fahrzeugen, die auch vergleichsweise günstigeres, reichweitentaugliches Methan verbrennen.

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Von Markus Höscheler

Gelegentlich zeigt Volkswagen eine Tribünen-Mentalität. Die Wolfsburger schauen der Konkurrenz gerne einmal zu, was sie anstellt, wie sie es anstellt und wie sie sich dabei abmüht. Und dann schlägt der VW-Konzern mit voller Wucht zu. So war es in der jüngeren Vergangenheit bei einigen Karosserietypen – zum Beispiel Kompaktvan und Kompakt-SUV – und bei alternativen Antrieben. Das Thema Hybrid überließen die Deutschen zunächst einmal den Japanern. Doch inzwischen haben Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn und sein Team die Brisanz der Kombination von Elektro- mit Verbrennungsmotoren erkannt und sie starten bald eine publikumswirksame Offensive.

Beim alternativen Treibstoff Erdgas ist Volkswagen zwar schon länger präsent, doch allzu offensiv ging das Unternehmen nicht vor. Aber auch das ändert sich jetzt. Im Kleinstwagensegment und bei den Kompakten erweitern VW und Tochtermarken das Angebot an Erdgasmodellen Zug um Zug, darunter auch adaptierte Golf- und Leon-Varianten. Allerdings müssen diese einem kleineren Vertreter den Vortritt lassen, dem Eco-Up. Er stellt die nunmehr dritte verfügbare Motorvariante dar, die wie die beiden bisher offerierten Leistungsstufen (60 und 75 PS) mit einem Dreizylinder-Aggregat vorfährt.

In dessen knapp einen Liter fassenden Hubraum kann wahlweise Erdgas oder Benzin fließen. Für beide Treibstoffsorten haben die Entwickler vorgesorgt, zwei Tanks befinden sich im Eco-Up. Der eine hat Platz für rund elf kg Erdgas, der andere für rund zehn Liter Benzin. Die Priorität das Anbieters ist dabei klar: Methan, Hauptbestandteil von Erdgas, hat bei der Verbrennung Vorrang. Er ist dem Otto-Kraftstoff hinsichtlich Schadstoffemissionen und Kosten deutlich überlegen, bei der Verfügbarkeit (Tankstellen) hinkt er hingegen klar nach, wenngleich in Österreich bereits ca. 170 Tankstellen Erdgas anbieten.

Der Betrieb des Eco-Up ist quasi-monovalent ausgelegt, das heißt der Kunde muss zuerst das Erdgas aufbrauchen, ehe sein Fahrzeug auf das Reservebenzin zugreift. Der Wechsel zwischen beiden Kraftstoffsorten geschieht nahezu unmerklich, wie wir beim Test vor wenigen Tagen feststellen konnten. Und das war nicht die einzige Erkenntnis, die uns der Eco-Up bescherte. Eine zweite war der Durchschnittsverbrauch. Trotz hohen Autobahnanteils benötigte das Fahrzeug lediglich 3,2 kg Erdgas je 100 Kilometer. Das heißt: Für die 120 Kilometer Fahrt von Innsbruck nach Bozen entstehen Treibstoffkosten von 3,45 Euro (bei einem kg-Tarif von 0,899 Euro). Hier können weder Diesel noch Benzin mithalten.

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Die guten Verbrauchswerte erzielt der Eco-Up auch dank des Einsatzes einer tadellos funktionierenden Start-Stopp-Automatik und seiner zurückhaltenden Kraftentfaltung. Auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn empfehlen wir das Ausdrehen der niedrigeren Gänge, um einem zu spannenden Paarlaufen mit 40-Tonnern zu entgehen. Ein Grund für den dezenten Vorwärtsdrang – von null auf 100 km/h benötigt der Erdgas-Mini 16,3 Sekunden – dürfte das hohe Gewicht sein: Mit 1,03 Tonnen wiegt der Eco-Up gut 100 kg mehr als die konventionell bestückten Geschwister.

Zusatzmasse hat der Hersteller im Eco-Up zudem reichlich verbaut. Neben der Höchstausstattung High-Up finden wir ein Glas-Schiebedach an Bord des Eco-Up sowie das tragbare Navigations- und Informationssystem Maps&More. Im Gegensatz zu einem früheren Up-Testfahrzeug funktionierte das Maps&More mit Bluetooth-Schnittstelle während unserer Testwoche hervorragend. Praktisch und nutzerfreundlich sind der Touchscreen, die Zielführung und die Mediensteuerung hervorzuheben. Zudem kann der Lenker Fahrzeugdaten (etwa die Betriebstemperatur des Kühlwassers) einblenden.

Was sich während der Fahrt mit dem Fünftürer, unabhängig von der Motorisierung, bestätigte, war der Komfort. Trotz seiner 3,54 Meter Kürze dämpft der Winzling grobe Unebenheiten geradezu meisterhaft weg. Nicht minder beeindruckend ist das Platzangebot im Fond, normalgroße Erwachsene haben für einen kurzen Trip keinen Klaustrophobie-Anlass zu fürchten. Angsteinflößend kann maximal die Anschaffung sein: Für den basisbestückten Eco-Up sind wenigstens 12.830 Euro (dreitürig) bzw. 13.270 Euro (fünftürig) fällig.


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