„Die Politik muss wieder in Kreisläufen denken“

Fritz Gurgiser & Team fordert ein Abfedern der EU-Grundfreiheiten und sieht hinter den anderen Bürgerlisten lediglich einzelne Lobbys.

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Herr Gurgiser, vor fünf Jahren haben Sie noch gemeinsam mit Fritz Dinkhauser kandidiert. 2009 kam es zum Konflikt, der jetzt auch die Gerichte beschäftigt. Was denken Sie heute über das Bürgerforum?

Fritz Gurgiser: Das ist politische Vergangenheit und für mich abgehakt. Natürlich ist es schade, was nach der Landtagswahl 2008 passiert ist. Aber für mich steht nach wie vor fest: Bei mir ist das, was ich vor der Wahl sage, auch nach der Wahl gültig.

Was heißt das?

Gurgiser: Wir wollen mit Inhalten die Menschen erreichen, Lösungen aufzeigen und im Landtag unseren Überzeugungen treu bleiben.

Laut den jüngsten Umfragen würden Sie den Einzug in den Landtag deutlich verfehlen. Sie liegen bei zwei Prozent.

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Gurgiser: Am 28. April geht es um eine einzige Umfrage beim Wähler. Derzeit schwirren jeden Tag andere Umfragen herum. Davon lasse ich mich nicht irritieren. Mein Team und ich versuchen täglich so viele Menschen wie möglich zu erreichen.

Was würde ein Scheitern bei der Landtagswahl für Sie bedeuten?

Gurgiser: Darüber denke ich nicht nach. Wir wollen unser Ziel erreichen. Ob uns das gelingt, werden die Wähler entscheiden. Wir sind nicht von der Politik abhängig, sondern eine unabhängige Liste. Alle unsere Kandidaten sind berufstätig.

Der Bürger wird derzeit heftig umworben. Noch nie gab es so viele Bürgerlisten, die bei der Wahl antreten.

Gurgiser: Nach außen hin stellen viele Listen die Bürger in den Mittelpunkt. Schaut man aber hinter die Fassaden der so genannten Bürgerparteien, dann stecken vielfach Eigen- und Lobbyinginteressen dahinter. Da grenzen wir uns deutlich ab. Thomas Schnitzer und ich haben seit Jahren konsequente Bürgerpolitik im Landtag gemacht.

Was sind Ihre Kernthemen für die Landtagswahl?

Gurgiser: Wir müssen endlich wieder in Kreisläufen denken, es benötigt eine Kreislaufpolitik mit sechs Grundwerten: Lebensraum, Familie, Gesundheit, Arbeitsplätze, Finanzen und Sicherheit. Wenn ein Rad davon herausbricht, wackelt das System. Das größte Problem dabei sind die Grundfreiheiten in der Europäischen Union.

Aber die gibt es nun einmal.

Gurgiser: Natürlich, aber wir müssen im Land darauf reagieren. Die Verkehrsfreiheit beschert uns die gesamte Transitmisere und die schlechte Luft. Die Dienstleistungsfreiheit wirkt sich mas- siv auf die Einkommen aus, die Niederlassungsfreiheit treibt die Grundpreise in die Höhe und macht das Wohnen unerschwinglich. Und durch die Kapitalverkehrsfreiheit wird unser Geld weniger wert.

Was kann Tirol wirklich dagegen tun?

Gurgiser: Der Landtag muss Rahmenbedingungen schaffen, um die Auswirkungen der Grundfreiheiten abzufedern. Allein wenn ich an das Verkehrsproblem denke, wo akuter Handlungsbedarf herrscht. Generell muss man sich an den Kopf greifen, wenn jetzt schon bei den Spareinlagen über Selbstbehalte nachgedacht wird.

Sind Sie heute bereits mehr Politiker oder nach wie vor Anti-Transit-Kämpfer?

Gurgiser: Das schließt sich nicht aus. Ich bin weiterhin stark mit der Verkehrsproblematik verbunden, der Transit berührt ja fast alle Bereiche der Politik. Mir trauen die Menschen allerdings schon zu, dass ich die Probleme anpacken kann. Das glaube ich schon.

Wollen Sie nach der Wahl in einer Koalition mitregieren, sollte Ihre Partei den Einzug in den Landtag schaffen?

Gurgiser: Der Landtag ist für mich Programm. Darum geht es mir. Der Landtag ist der Souverän, die Regierung seine Angestellten.

Das Gespräch führte Peter Nindler


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