(Un-)Versichert bis in den Tod

Immer mehr Menschen wollen mit einer Versicherung die Kosten ihrer Bestattung abdecken. Obwohl der Todesfall bei allen eintritt, wird aber nicht jeder versichert.

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Von Elke Ruß

Innsbruck, Wien –Sicher­stellen, dass Geld für ein würdiges Begräbnis da ist. Der Familie keine Kosten aufbürden: Das sind wesentliche Gründe, warum immer mehr Menschen auch für ihre letzte Reis­e Vorsorge treffen. Schließlich kostet der Tod weit mehr als das Leben. Zwischen 5000 und 8000 Euro sind für eine durchschnittliche Bestattung mit Sarg, Aufbahrung, Pfarrer, Todesanzeige, Grabstelle mit einem kleinen Stein zu rechnen, erklärt Christian Koos, der Geschäftsführer des Wiener Vereins, auf TT-Anfrage. Etwas billiger komme eine Kremierung, weil man „Grab und Stein nicht braucht“.

Bereits eine halbe Million Österreicher verfügt über eine solche Sterbeversicherung beim Wiener Verein – ein Fünftel mehr als vor 20 Jahren. Sogar in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten sei die Nachfrage „gleichbleibend, wenn nicht sogar leicht steigend“. Koos erklärt dies damit, dass sich die Menschen auf Wesentliches besinnen.

Allerdings gebe es auch verstärkt Anfragen wegen eines Rückkaufs. Oft sei es weniger der Versicherte selbst, sondern z. B. ein Enkel mit Geldbedarf, der darauf drängt – und dem Opa verspricht, sich später ohnehin um das Begräbnis zu kümmern. „So ein Rückkauf ist möglich, aber nur mit großem Verlust für den Kunden!“

Die meisten Kunden – etwa zwei Drittel – sind bei Versicherungsbeginn zwischen 46 und 70 Jahre alt, bereits fünf Prozent aber unter 25. Grundsätzlich gilt nämlich auch bei der Sterbekostenversicherung: je früher, desto niedriger die Prämie. Für Kinder bis 18 gibt es sogar eine Juniorversicherung. Bei 8 Euro Monatsprämie sind 5000 Euro Bestattungskosten sowie eine Unfall- und Krankenversicherung inkludiert.

Für Erwachsene beträgt die reguläre Laufzeit 25 Jahr­e, gedeckt werden Bestattungskosten bis 10.000 Euro und Überführungskosten bis 15.000 Euro. Ein 18-Jähriger zahlt dafür 22,90 Euro Prämie im Monat, ein 40-Jähriger bereits 31,30 Euro.

Die steigende Lebenserwartung der Österreicher schlägt sich im Höchstalter nieder: Auch mit 80 kann man noch eine Versicherung mit laufender Prämienzahlung abschließen, Laufzeit: fünf Jahr­e. 118,10 Euro Monatsprämie versichern aber nur mehr Bestattungskosten von 5000 Euro, die Überführungskosten bleiben bis 15.000 € gedeckt.

Auch wer früh bzw. aus einem konkreten Anlass heraus vorsorgen will, kann allerdings aus allen Wolken fallen: Gesundheit zählt selbst beim Ableben – auch für eine Sterbeversicherung (wo der Versicherungsfall ja immer eintritt) kann man zu krank sein. Das musste eine junge Tirolerin schon vor einigen Jahren erfahren: Nach mehreren Todesfällen in der Verwandtschaft wollten sie sowie ihre Schwester (samt Mann und Sohn) frühzeitig und leistbar für den Ernstfall vorsorgen. Die Tatsache, dass die damals etwa 30-Jährige seit dem 19. Lebensjahr mit einer Spender­niere lebte, war bei der Antragstellung kein Problem. Doch dann habe es aus Wien geheißen, „das Risiko eines frühen Ablebens sei zu groß“, berichtet die Schwester der Frau von großer Betroffenheit und Empörung bei Familie und Bekannten.

„Generelle Ausschlussgründe gibt es nicht“, betont Koos dazu. „Bei einer Transplantation lehnen wir nicht rigoros ab, aber das ist schon sehr heikel.“ Es komme immer auf den individuellen Fall an, dieser werde von der Risikoabteilung der Muttergesellschaft Wiener Städtische geprüft. Eine „rigorose Ablehnung“ gebe es nur bei „todbringenden Krankheiten“, spricht er Krebs und Tumore an. Es könnten „auch Krebs und Hepatitis unter bestimmten Voraussetzungen versichert werden“. Eine Ausheilung bei Krebs etwa sei aber schwer diagnostizierbar.

Auf die Frage, ob HIV ein Ausschließungsgrund sei, verwies Koos ebenfalls auf die Einzelfallprüfung durch die Fachabteilung. Bei Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht sei mit einer erhöhten Prämie zu rechnen. Das werde auch bei bestimmten Freizeitsportarten bzw. Berufen geprüft.

Eine Alternative sei ein „Einmalerlag ohne Gesundheitsfragen“. Gedeckt sind dann allerdings nur 5000 Euro Bestattungs- und 5000 Euro Überführungskosten. Dafür muss selbst ein 50-Jähriger bereits knapp 4100 Euro Prämie berappen. In den ersten drei Versicherungsjahren werde die einbezahlte Prämie plus die erworbene Gewinnsumme ausbezahlt.


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