Hilfe und Hoffnung inmitten des Krieges

Franz Luef arbeitete für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ in einem Feldspital im umkämpften Norden Syriens.

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Von Christian Jentsch

Innsbruck, Aleppo –Im März 2011, mitten in den Revolutionswirren des Arabischen Frühlings, gingen in Syrien erstmals Menschen auf die Straße, um für Reformen zu demonstrieren. Das Regime in Damaskus reagierte mit Härte und Gewalt. Zwei Jahre später liegt das Land in Trümmern. Ganze Landstriche und Städte­ wurden dem Erdboden gleichgemacht, die Versorgung ist kollabiert. Mindestens 70.000 Menschen wurden getötet, rund ein Viertel der Bevölkerung ist laut Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR­) auf der Flucht. Allein innerhalb des Landes gibt es derzeit rund vier Millionen Flüchtlinge. Hinzu kommen etwa 1,2 Millionen Menschen, die ins Ausland geflohen sind. Und die humanitäre Lage verschlechtert sich weiterhin dramatisch. Immer wieder geraten auch Hilfsorganisationen ins Kreuzfeuer, Hilfskonvois werden unter Beschuss genommen, die Errichtung von Hilfskorridoren erscheint unmöglich.

Auch die einst florierende Wirtschaftsmetropole Aleppo und die gleichnamige Provinz im Nordwesten Syriens wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Geblieben ist ein Trümmerfeld: Krankenhäuser, Schulen und ganze Wohnviertel liegen in Schutt und Asche.

Mitten im sich immer weiter radikalisierenden syrischen Bürgerkrieg versuchte der 38-jährige Steirer Franz Luef, der drei Jahre lang in Innsbruck Internationale Wirtschaftswissenschaften studiert hat, das Leid der Bevölkerung zu lindern. Er arbeitete als Einsatzleiter für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ in einem Feldspital in der heiß umkämpften Provinz Aleppo an der Grenze zur Türkei – einem von drei Krankenhäusern, welche die Hilfsorganisation in den von der Opposition kontrollierten Gebieten im Norden Syriens eröffnet hat. In den vom Assad-Regime kontrollierten Gebieten darf „Ärzte ohne Grenzen“ hingegen nicht tätig werden.

„Vor dem Ausbruch des Krieges hat das Gesundheitssystem in Syrien gut funktioniert. Heute stehen die Menschen vor dem Nichts, sie sind physisch und psychisch an ihren Grenzen angelangt und kämpfen tagtäglich ums nackte Überleben“, erklärt Franz Luef, der von Anfang September bis Anfang Dezember des Vorjahres als Einsatzleiter in der Provinz Aleppo tätig war. „In dem Krankenhaus arbeiten 72 lokale Mitarbeiter – vom Krankenpfleger bis hin zum Chirurgen – und 23 internationale Mitarbeiter aus insgesamt 14 Ländern“, erklärt Luef im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung. „Die größte Herausforderung dabei ist, die Versorgung mit Medikamenten und Material sicherzustellen. Und das rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Die Reserven in Syrien sind aufgebraucht und Ärzte sind Mangelware“, weiß Luef. In dem Krankenhaus werden Kriegsopfer der Rebellen und der Armee gleichermaßen versorgt. Darüber hinaus soll aber vor allem die lokale Bevölkerung von der medizinischen Hilfe profitieren.

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Neben einem Operationssaal, wo bereits Hunderte chirurgische Eingriffe durchgeführt wurden, gibt es auch eine Entbindungsstation und einen ambulanten Bereich für die Versorgung der lokalen Bevölkerung, erzählt Franz Luef, der seit 2003 für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet. „Ärzte ohne Grenzen“ betont immer wieder seine strikte Neutralität im Konflikt. „Wir versuchen, Kontakte zu allen Gruppen aufzubauen, um eine sichere medizinische Versorgung zu gewährleisten“, erzählt Luef. Doch die Bevölkerung bleibt skeptisch. Denn Krankenhäuser und Hilfskonvois wurden zuletzt immer wieder zu Zielen von Angriffen. In einem Krieg, in dem Menschenleben nicht mehr zu zählen scheinen. Doch trotz all dem Leid hat Franz Luef das Land und seine Menschen zu schätzen gelernt. „Ich habe eine beeindruckende Gastfreundschaft, viel Engagement und eine enorme innere Befriedigung erlebt“, erzählt Luef, der all den Gefahren im Bürgerkriegsland trotzte.


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