Experte Landis: Mehr als 1000 Milizen in Syrien

Von Floo Weißmann...

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Von Floo Weißmann

Damaskus –Im syrischen Bürgerkrieg wird die Lage immer unübersichtlicher, sagte der amerikanische Experte Joshua Landis der Tiroler Tageszeitung. Nach seinen Informationen operieren auf der Seite der Regimegegner bereits 1000 verschiedene Milizen. Dazu zählen die diversen Fraktionen der Freien Syrischen Armee, die großteils aus Deserteuren besteht, einheimische Islamisten und ausländische Jihadisten, die meist Verbindung zu Al-Kaida unterhalten, lokale Widerstandsgruppen und Warlords. Alle würden versuchen, „die Kontrolle über Gebiete zu erlangen und Ressourcen von der Bevölkerung zu erpressen“. Landis erwartet, dass es sehr schwer werden dürfte, in diesem waffenstarrenden Durcheinander eines Tages wieder eine staatliche Ordnung zu etablieren. Unklar sei auch, ob die Milizen im Kampf um Territorien oder Ideologie gegeneinander kämpfen würden, wenn der gemeinsame Feind einmal besiegt ist.

Dem Westen machen vor allem die ausländischen Jihadisten Sorgen, deren Einfluss laut Landis von Monat zu Monat wächst. Syrien sei heute ein neues Zentrum für Jihadisten, die mittlerweile „die meisten wichtigen Angriffe führen“. Schon vor Jahren hätten Al-Kaida und andere argumentiert, dass sie nach Syrien gehen sollen, sagt Landis – „nicht zuletzt wegen der Nähe zu Israel“. Der Bürgerkrieg hat ihnen jetzt eine Einfallstüre geöffnet. Finanziert würden die Jihadisten mit Geld aus den arabischen Golfstaaten. Es sei jedoch unklar, ob dahinter Privatpersonen oder Regierungen stehen.

Landis erwartet, dass der Bürgerkrieg noch mindestens ein Jahr andauert. Die Rebellen würden versuchen, Damaskus zu infiltrieren und das Leben der Mittelklasse zum Erliegen zu bringen. In Reaktion darauf werde das Regime wie in Aleppo ganze Viertel zerstören. Das spiele langfristig in die Hände der Rebellen, „weil viele Leute vor allem Stabilität und Sicherheit wollen“.


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