Die „Flying Pickets“ in Lederhosen

Mehr als ein Hingucker: Das Projekt Voxxclub überrascht mit ambitionierten Arrangements und rotzfrechem A-Cappella-Sound.

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Von Hubert Trenkwalder

München –Wie wohltuend: Allen Unkenrufen zum Trotz lebt die deutschsprachige Musikszene. Und während im Pop-Geschäft die Verkaufszahlen im Rekordtempo in den Keller rasseln, hält das volkstümliche Schlager-Publikum dem CD-Format und der damit verbundenen Investition im Plattenladen weitgehend die Treue.

Nicht zuletzt deshalb setzen die grossen Plattenlabels nach wie vor auf innovative Projekte aus diesem Segment. Und da wären wir schlussendlich beim Voxxclub.

Der Boygroup-Style verrät, dass die Zielgruppe ohne weiteres jünger sein kann als der gewöhnliche Musikantenstadl-Fan. Die Auswahl der Songs auf dem Album sind ohnehin ein „Best of“ der volkstümlichen Schlagergeschichte. Und der Aha-Effekt in den großen deutschen TV-Shows ist geglückt.

Die Grundidee zu Voxxclub entstand seinerzeit über die Freundschaft des Produzenten Martin Simma mit dem Sänger Michael Hartinger. Michael war es dann auch, der die übrigen fünf Mitstreiter von dem mutigen Konzept einer A-Cappella-Gruppe im modernen Volksmusiksound überzeugte.

„Es waren Sänger wie Andreas Gabalier oder anarchistische Volksmusik-Bands wie hmbc, La Brass Banda oder Claudia Koreck, die uns ermutigten, unsere musikalischen Ideen umzusetzen. Diese Musiker haben eindrucksvoll bewiesen, wie interessant und hochwertig heute moderne Volksmusik klingen kann“, erinnert sich Hartinger an die Anfänge von Voxxclub. „Wir sind alle total begeistert von der enormen Aufbruchsstimmung, die gerade im Süden Deutschlands und in Österreich aufkeimt und die vor allem junge Fans, die sich auch im Dirndl oder in Lederhosen wohlfühlen, zu dieser Musik in die großen Hallen zieht.“

Volksmusikalischer Anarchismus im Popuniversum ist neu und frisch. Ob der Schürzenjäger-Hit „Sierra Madre“ oder „Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller, in jedem Song steckt eine gehörige Überraschung. Plattler, Beatbox, trompetenähnliches vokales Solieren, auch dem geübten Musiker fliegen da mitunter die Ohren weg.

Erste Live-Auftritte zeigten schon, dass die Qualität für die großen Hallen reichen wird, jetzt müssen sie die Männer vom Voxxclub nur noch füllen. Viel Glück dabei!


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