Grillo kämpft gegen Spaltungs- tendenzen in Protestbewegung

Beppe Grillo versammelte am Freitag seine Mandatare in einem Restaurant in Fiumicino unweit von Rom, um die nächsten politischen Schritte und die Strategie in Hinblick auf die am 18. April beginnende Wahl des Präsidenten zu definieren.

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Rom – Der Starkomiker Beppe Grillo bemüht sich um den Zusammenhalt seiner Protestbewegung „Fünf Sterne“, der drittstärksten Kraft im neu gewählten italienischen Parlament. Nachdem mehrere „Grillini“ seinen Beschluss kritisiert hatten, keine Regierung mit Beteiligung der Traditionsparteien zu unterstützen, was de facto eine Kabinettsbildung in Rom verhindert, versammelte der Erfolgsblogger am Freitag seine Mandatare in einem Restaurant in Fiumicino unweit von Rom, um die nächsten politischen Schritte und die Strategie in Hinblick auf die am 18. April beginnende Wahl des Präsidenten zu definieren. Journalisten waren ausgeschlossen, jeglichen Kontakt der Parlamentarier zu den Medien vermieden.

Der 63-jährige Grillo bekräftigte bei der Sitzung die politische Notwendigkeit, sich von jeglichem Bündnis mit den etablierten Parteien fernzuhalten, verlautete es nach dem Treffen. Die alten Parteien seien nicht einmal mehr in der Lage, ein neues Wahlgesetz über die Bühne zu bringen. Sollte es zu einer großen Allianz aus dem Mitte-rechts-Block um Ex-Premier Silvio Berlusconi und Mitte-links-Chef Pierluigi Bersani kommen, würden die müden Wähler scharf reagieren. „Das würde sich nur zu unserem Vorteil auswirken“, erklärte Grillo.

Seine Bewegung sei bereit, eine Minderheitsregierung aufzubauen. „Ich habe Präsident Giorgio Napolitano aufgerufen, uns den Auftrag zur Regierungsbildung zu erteilen. Danach werden wir den Namen für den Premier bekanntgeben“, sagte der Komiker.

Nach Angaben italienischer Medien ist in den letzten Tagen die Front der Grillo-Parlamentarier gewachsen, die eine Regierung unter der Führung von Mitte-links-Chef Bersani befürworten, um Neuwahlen abzuwenden. „Wenn man mit acht Millionen Stimmen ins Parlament gehievt wird, muss man Verantwortung übernehmen. Ich bin der Ansicht, dass der Dialog mit Bersani notwendig ist. Das Land leidet und wir können keine Zeit verlieren. Wir können nicht drei Monate bis zu Neuwahlen warten“, hatte der Grillo-Parlamentarier Tommaso Curró im Interview mit „La Stampa“ am Donnerstag erklärt.

Grillo reagierte scharf auf den Widerstand unter seinen Parlamentariern und auf die vielen Wähler, die seine Weigerung zum Dialog mit der Mitte-links-Allianz im Internet kritisierten. „Wer uns gewählt hat, um Abkommen mit den Traditionsparteien zu schmieden, hat die falsche Gruppierung gewählt“, schrieb Grillo in seinem Blog.

Grillo weigert sich hartnäckig, einem Premier-Kandidaten aus den Reihen der etablieren Parteien das Vertrauen auszusprechen. Deshalb sind die Verhandlungen für die Regierungsbildung in Italien mangels Alternativen, anders eine Mehrheit zustande zu bringen, ins Stocken geraten. (APA)


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