Portugals Regierung nach Veto gegen Sparbudget in Zugzwang

Das Kabinett trifft am Samstag zu einer Krisensitzung zusammen, um neue Wege zum Schuldenabbau zu beschreiten.

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Lissabon - Nach dem Veto des Verfassungsgerichts gegen mehrere Sparmaßnahmen der portugiesischen Mitte-Rechts-Regierung hat Ministerpräsident Pedro Passos Coelho sein Kabinett für heute (Samstag) zu einer Krisensitzung zusammengerufen. Die Regierung muss nun andere Wege finden, um ihre Zusagen an Brüssel zum Abbau des Haushaltsdefizits einzuhalten.

Ein Veto des Verfassungsgerichts gegen mehrere Sparmaßnahmen der portugiesischen Mitte-Rechts-Regierung hat Ministerpräsident Pedro Passos Coelho in Zugzwang gebracht. Lissabon muss nun neue Wege finden, um seine Zusagen an Brüssel zum Abbau des Budgetdefizits einzuhalten. Passos Coelho rief sein Kabinett zu einer Krisensitzung zusammen. Nach Medienberichten vom Samstag wurde eine Umbildung der Regierung nicht ausgeschlossen.

Das Verfassungsgericht hatte nach mehr als dreimonatigen Beratungen entschieden, dass insgesamt vier Sparbeschlüsse im Budget 2013 verfassungswidrig seien. Das Urteil verschärfte die Lage in dem Euro-Krisenland, das sich bei der EU zu einem harten Sparkurs verpflichtet hatte. Das Gericht erklärte am Freitagabend unter anderem die Kürzungen von Urlaubsgeldern für Beamte, Angestellte des öffentlichen Diensts und für Pensionisten sowie Einschnitte bei der Arbeitslosenhilfe für verfassungswidrig.

Eine Reihe anderer Sparmaßnahmen und Steuererhöhungen wurden von den Richtern gebilligt. Das Teil-Veto bedeutet nach Berechnungen portugiesischer Medien, dass im Staatsbudget sich eine Deckungslücke von etwa 1,3 Milliarden Euro auftut. Die konservativ-liberale Regierungspartei PSD äußerte sich „sehr besorgt“. „Wir haben praktisch keinen Handlungsspielraum“, sagte die PSD-Politikerin Teresa Leal Coelho. Der sozialistische Oppositionsführer Antonio Jose Seguro verlangte den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen.

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Gegen die Sparbeschlüsse hatten nicht nur die Linksparteien der Opposition geklagt, sondern auch Staatspräsident Aníbal Cavaco Silva, der ebenso wie der Regierungschef der PSD angehört. Der Staatschef hatte seine Klage damit begründet, dass das Budget „berechtigte Zweifel an der Gerechtigkeit bei der Verteilung der Opfer“ wecke. Er lehnte Neuwahlen ab und betonte, die Regierung sei in vollem Umfang legitimiert, im Amt zu bleiben.

Portugal hatte 2011 von der „Troika“ aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) ein 78-Milliarden-Euro-Hilfspaket erhalten. Im Gegenzug musste das ärmste Land in Westeuropa sich bei den Geldgebern zu einer drastischen Sparpolitik verpflichten, um das Budgetdefizit abzubauen und die Staatsfinanzen zu sanieren. (APA/dpa)


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