Uruguayanischer Präsident nennt argentinische Kollegin „sture Alte“

Der Sager von Uruguays Präsident José Mujica belastet die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten.

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Von Juan Garff/dpa

Montevideo/Buenos Aires - „Diese Alte ist schlimmer als der Einäugige, er war politisch, sie ist stur“. Mit der „Alten“ war die argentinische Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner gemeint. Der „Einäugige“ bezeichnete ihren schielenden Ehemann, den gestorbenen früheren Präsidenten Néstor Kirchner. Die abwertende Bemerkung stammt aus dem Mund eines Amtskollegen, dem uruguayanischen Staatschef José „Pepe“ Mujica, und sorgt nun für Spannungen zwischen den Nachbarn.

Der für seinen direkten Stil bekannte Mujica hatte am Donnerstag vor einer Pressekonferenz zu einem anderen Politiker gesprochen, ohne zu bemerken, dass das Mikrofon offen war. Die Zeitung „El Observador“ übernahm die Aufzeichnung rasch von der Webseite der Präsidentschaft und veröffentlichte sie. In wenigen Stunden wurde hieraus ein „Trending Topic“ in den sozialen Medien in Argentinien und Uruguay. Eine Cumbia-Band komponierte prompt aus dem Präsidenten-Statement ein Lied, das auf YouTube Furore machte.

Die argentinische Regierung zitierte am Freitag den uruguayanischen Botschafter in Buenos Aires ins Außenministerium, um ihr „Unbehagen“ über den Kommentar Mujicas zu übermitteln. Die „herabsetzenden“ Bemerkungen seien besonders „unzumutbar“ von jemandem, den Néstor Kirchner als einen Freund betrachtet habe.

Mujica teilte mit, er werde nicht durch die Welt ziehen, um seine Worte zu erklären. Er reagierte auf die Folgen seines verbalen Ausrutschers mit einer langen Aufzählung der historischen Gemeinsamkeit der Anrainerstaaten des Río de la Plata. „Nichts und niemand kann unsere Geschichte entwurzeln.“ Argentinien und Uruguay hätten trotz aller Interessenskonflikte eine gemeinsame Herkunft, erklärte er am Freitag in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache, ohne direkt auf seinen Fauxpas einzugehen.

Hintergrund des Kommentars Mujicas sind die gespannten Handelsbeziehungen zwischen Argentinien und Uruguay. Die argentinischen Importrestriktionen und die Unterbewertung des argentinischen Peso haben das Defizit Uruguays im Austausch mit seinem zweitgrößten Partner in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Jetzt fürchtet die Regierung in Montevideo neue Handelsbarrieren als Repressalie, wie die Zeitung „El País“ am Samstag berichtete.

Ein am Samstag veröffentlichtes Gespräch der Zeitschrift „Lento“ mit Mujica könnte die Beziehungen weiter belasten. Néstor Kirchner sei eine „schwierige“ Person für die bilateralen Beziehungen gewesen, erklärte der Präsident in dem Interview, das vor dem Vorfall geführt wurde.

Bei der Freundschaft und Rivalität zwischen beiden Nachbarländern geht es sowohl um Überlegenheit beim Fußball und Tango als auch um die vermeintlichen Charakterzüge ihrer Einwohner. Der damalige uruguayanische Staatschef Jorge Batlle hatte 2002 erklärt, die Argentinier seien alle Diebe, „vom ersten bis zum letzten“, ohne zu bemerken, dass eine Kamera an war. Batlle, dessen Mutter Argentinierin war, musste nach Buenos Aires fliegen, um sich zu entschuldigen. Nun sagte er zu Mujicas Verbalentgleisung, er könne nicht aufhören zu lachen.


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