Meister FC Bayern will mehr: Neues Ziel ist die „Super-Super-Saison“

Dem Rekord-Titel sollen Triumphe im Cup und in der Champions League folgen.

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Frankfurt am Main – Der FC Bayern München ist zum 23. Mal deutscher Fußball-Meister. Schneller hat in der Geschichte der Bundesliga noch nie ein Verein den Titel geholt, trotzdem hielten sich die Bayern mit dem Feiern zurück. Die ganze Konzentration gilt dem Champions-League-Spiel am Mittwoch in Turin.

Keine rauschende Meisterfeier

David Alaba und Co. tanzten nach dem 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt auf dem Rasen herum, liefen mit einer Papp-Meisterschale durchs Stadion und warfen sogar ihren 67-jährigen Trainer Jupp Heynckes durch die Luft. Aber eine richtige Meisterfeier sieht anders aus. Es gab keine Bierduschen, keinen Besuch eines edlen Szene-Lokals - stattdessen schon am Sonntagfrüh das nächste Training und die volle Konzentration auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Königsklasse bei Juventus.

„Wenn wir den Cup und die Champions League holen, dann können wir drei, vier Tage zusammen Party machen“, sagte Franck Ribery. Oder wie es der vor Stolz auf sein Team fast platzende Präsident Uli Hoeneß formulierte: „Jetzt wollen wir aus einer Super-Saison noch eine Super-Super-Saison machen.“

„Wollen wir alles oder wollen wir nur ein bisschen?“

Die Bayern wollen nach der Meisterschaft nun auch den DFB-Pokal und vor allem die Champions League gewinnen, wo nach dem 2:0-Sieg im Hinspiel gegen Juventus der Einzug ins Halbfinale winkt. Natürlich war es Sportvorstand Matthias Sammer, der in Frankfurt - noch während die Mannschaft in der Kabine tanzte und sang - besonders eindringlich auf die Partie in Turin verwies. „Die Frage ist jetzt: Wollen wir mehr oder wollen wir nicht mehr? Wollen wir alles oder wollen wir nur ein bisschen?“, meinte er. „Das ist der Unterschied zwischen Groß und ganz Groß.“

Jupp Heynckes wirkte genervt, als er davon hörte. Der Trainer klang ein bisschen so, als müsse er seine Mannschaft vor ihrem eigenen Sportchef in Schutz nehmen. „Ich kenne meine Spieler. Die wollen alle ins Halbfinale der Champions League“, sagte er. „Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass da heute noch einer in die Disco geht oder sich abfüllt? Priorität hatte für uns die Meisterschaft, aber wir haben noch zwei andere Ziele. Und so wie die Mannschaft in diesem Jahr spielt, traue ich ihr alles zu.“

Dazu hat der Meistermacher auch allen Grund. Die Bayern lassen die Rekorde geradezu purzeln in diesem Jahr - dabei ist die Saison noch nicht vorbei. Noch nie in 50 Jahren Bundesliga stand ein deutscher Meister schon nach 28 Runden fest. Noch nie gewann eine Mannschaft innerhalb einer Spielzeit elfmal in Folge. Zu einem neuen Punkterekord (82) fehlen den Münchnern nur noch sieben Zähler, zur Anzahl der meisten Siege pro Saison (25) nur noch einer.

Konkurrenz verneigt sich

All diese Superlative zeigen, wie heiß die Bayern in dieser Saison waren, nachdem sie zuletzt zweimal zähneknirschend den Dortmundern zum Titel gratulieren hatten müssen. „Diese Meisterschaft fühlt sich fast noch einen Tick schöner an als die anderen“, sagte Philipp Lahm.

Auch die Konkurrenz verneigte sich vor den Bayern - insbesondere der entthronte Meister Dortmund. „Das ist eine unglaubliche Saison. Möglicherweise wird es die unglaublichste in der Geschichte des Fußballs“, sagte Trainer Jürgen Klopp. „Uns sind die 81 Punkte letztes Jahr ziemlich schwer gefallen - den Bayern scheinen sie dieses Jahr ziemlich leicht zu fallen.“

Eintracht-Trainer Armin Veh verneigte sich vor seinem alten Lehrmeister Heynckes. „Ich gönne diese Meisterschaft keinem mehr als Jupp. Er ist als Trainer und Mensch für mich ein Vorbild.“ (APA/dpa)


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