Archäologen wühlen in der Landecker Stadtgeschichte

Ab dem 22. April gehen die Ausgrabungen in der Landecker Stadtpfarrkirche in die zweite Runde: Drei Monate lang wird geforscht.

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Von Matthias Reichle

Landeck –Was waren das für Menschen, die vor 1500 Jahren in Landeck die Kirche besuchten? Wie nannten sie sich, wovon lebten sie, woran glaubten sie? 2012 schlugen drei Archäologinnen ein bislang unbekanntes Kapitel der Landecker Stadtgeschichte auf – eine Zeit, die aber immer noch Rätsel aufgibt. Die Entdeckung, die Tamara Senfter, Maria Bader und Irene Knoche machten, war sensationell. Sie wiesen nach, dass es bereits damals an Stelle der Landecker Stadtpfarrkirche ein aus Stein gebautes Gotteshaus gegeben hat. Errichtet worden sei es zwischen 400 und 600 nach Christus, schätzen die Wissenschafterinnen heute. Damit ist es eine der ältesten Kirchen in Tirol.

Und wo es ein Gotteshaus gibt, da sind auch Menschen nicht weit. Es ist ein erster archäologischer Hinweis auf das wahre Alter der Siedlung in Angedair.

Am 22. April setzen sie ihre Ausgrabungen fort. Ab heute übersiedelt Pfarrer Martin Komarek für Gottesdienste wieder ins Altenheim Landeck – wochentags in die Kapelle, Samstag und Sonntag in den Festsaal. Denn rund drei Monate lang werden die Ausgräber von „Talpa GnbR“ den Boden des Gotteshauses Schicht für Schicht abtragen, um den Geheimnissen der Landecker Kirche weiter auf den Grund zu gehen – ihrer Größe, Architektur, der Lage des Friedhofs und vielem mehr.

„Uns geht es um die verschiedenen Bauphasen“, betont Johannes Pöll vom Bundesdenkmalamt. Zum Beispiel will man wissen, wie lange die frühchristliche Kirche in Landeck Bestand hatte. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass sie 600 Jahre überdauerte.

„Das andere ist die Frage, ob es einen vorchristlichen Bau unter der Kirche gibt“, erklärt er weiter. Hinweis darauf gibt ein Mauerrest, der im letzten Jahr freigelegt worden ist – das „wäre ein Hammer“.

Bis auf Grins gibt es im Talkessel nämlich noch keinen Nachweis einer römischen Siedlung. Ein wichtiges Indiz ist, dass die Via Claudia Augusta, die alte Römerstraße, direkt an der heutigen Pfarrkirche in Landeck vorbeigelaufen sein muss, stellt Archäologin Tamara Senfter fest. „Immerhin ist das Christentum mit den Römern nach Tirol gekommen.“

Scherben, Münzen und Schmuck – auf sie müssen sich auch die Historiker stützen. Schriftliche Hinweise auf die frühen Christen in Tirol sind dünn gesät. Umso genauer wird nun gesucht.

Zu den Quellen zählt zum Beispiel Venantius Fortunatus, ein römischer Dichter, der 565 über die Alpen zog und im Stift Wilten eingekehrt sein könnte und dort ein Wunder beschreibt. Überliefert sind aber auch Sisinius, Martyrius und Alexander – drei Märtyrer, die 397 am Nonsberg im Trentino getötet wurden. Pöll glaubt, dass auch die Landecker in dieser Zeit mit dem Bau ihrer Kirche begonnen haben dürften.

Sehr wahrscheinlich sei die Pfarre vom Bischofssitz in Aquileia her gegründet worden, meint der Landecker Pfarrer Martin Komarek. Vielleicht gibt es unter der Kirche ein römisches Heiligtum, vermutet er. Einen besonderen Platz, der dann von den Christen übernommen wurde.


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