Damaskus und Aleppo unter Beschuss - Italiener verschleppt

Die Lage in Syrien wird immer verheerender: Viele Dutzend Menschen sterben täglich, die Dschihadisten werden stärker, humanitäre Hilfe kommt oft nicht an, und Journalisten werden zur Zielscheibe.

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Damaskus – Das Blutvergießen in Syrien nimmt kein Ende. Am Wochenende kamen bei landesweiten Kämpfen nach Angaben von Aktivisten rund 200 Menschen ums Leben - in den Städten Damaskus und Aleppo schlugen Raketen und Mörsergranaten ein. Auch immer mehr Journalisten werden Opfer von Angriffen: Rebellen, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe stehen sollen, verschleppten vier italienische Reporter. Der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Ayman al-Zawahiri, hat die Aufständischen zur Schaffung eines islamischen Staates aufgerufen.

„Führt euren Kampf im Namen Allahs und mit dem Ziel der Schaffung von Allahs Sharia als herrschendes System“, heißt es in der am Sonntag von islamistischen Webseiten verbreiteten Audio-Botschaft. Der „Feind“ sei kurz vor dem Fall, sagte Al-Zawahiri in Bezug auf Syriens Präsidenten Bashar al-Assad, dessen Truppen seit fast zwei Jahren gegen Aufständische kämpfen. Seither wurden nach UNO-Schätzungen mehr als 70.000 Menschen getötet.

Es handelt sich um die erste Audio-Botschafts al-Sawahiris im Internet seit November. Darin warnt er auch Frankreich wegen dessen Vorgehens gegen Islamisten im westafrikanischen Mali. Sollten die Franzosen ihren im Jänner begonnenen Einsatz dort fortsetzen, würden sie das gleiche Schicksal wie die USA im Irak und Afghanistan erleiden, sagte al-Zawahiri.

In Damaskus und Aleppo schlugen Raketen ein

Am Sonntag trafen zwei Raketen das Viertel Al-Sukkari in der nördlichen Stadt Aleppo. Nach Angaben eines Augenzeugen wurden drei mehrstöckige Gebäude vollständig zerstört. Die Helfer bargen 20 Leichen. Zwölf Schwerverletzte seien zur Behandlung in die benachbarte Türkei gebracht worden, hieß es. Insgesamt zählten die Helfer 81 Verletzte. Am Vortag waren nach Angaben staatlicher Medien mehrere Mörsergranaten im Zentrum der Hauptstadt Damaskus eingeschlagen. Im Viertel Kafr Susa sei dabei mindestens eine Frau getötet worden.

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Erneut gab es einen Übergriff auf Journalisten. Vier italienische Reporter wurden in unmittelbarer Nähe der Grenze zur Türkei verschleppt, wie Aktivisten der Opposition mitteilten. Italienische Medien berichteten, die Reporter seien von Rebellen entführt worden, die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahe stünden. Der Grund: Sie sollen eine Militärbasis der Gruppe gefilmt haben. Die Journalisten waren italienischen Medienberichten zufolge seit Dienstag für Filmaufnahmen in dem Land unterwegs. Ihre Spur verlor sich dann am Donnerstag.

Immer wieder werden Journalisten im syrischen Bürgerkrieg angegriffen - von Regierungssoldaten, aber auch von Aufständischen. Am Karfreitag schossen Heckenschützen von der Hanan-Militärbasis im nordsyrischen Aleppo auf den langjährigen ARD-Fernsehkorrespondenten Jörg Armbruster. Wegen seiner schweren Verletzungen musste Armbruster sofort notoperiert werden.

Bisher mehr als 70.000 Menschen getötet

Nach UNO-Schätzungen sind seit Beginn des Aufstandes gegen Assad im März 2011 mehr als 70.000 Menschen getötet worden. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk hat inzwischen 1,2 Millionen syrische Flüchtlinge in Nachbarländern registriert. Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind 3,6 Millionen notleidende Menschen in Syrien dringend auf Hilfe angewiesen. In Syrien leben derzeit nach Schätzungen noch 20 Millionen Menschen. (APA/dpa)


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