Britische Wirtschaftsbosse hoffen auf EU-Verbleib

Vorstandschefs und Mitglieder mehrerer großer britischer Unternehmen haben sich für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union ausgesprochen. „Die ökonomischen Argumente dafür, in der EU zu bleiben, sind überwältigend“, hieß es in einem am Montag in der linksliberalen Zeitung „The Independent“ veröffentlichten Brief.

Die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens bringe jährlich schätzungsweise zwischen 31 und 92 Mrd. Pfund (zwischen 36,7 und 108,9 Mrd. Euro) an Einkommensplus ins Land, pro Haushalt seien das 1.200 bis 3,500 Pfund. Politische Interessen dürften nicht über wirtschaftliche gestellt werden, hieß es. Allerdings müsse es durchaus Reformen geben.

So fordern die Wirtschaftsbosse, den Londoner Bankendistrikt zu schützen und den EU-Binnenmarkt etwa in den Bereichen Transport und Energie zu stärken. Unterzeichnet war der Brief unter anderem von den Aufsichtsratschefs des britischen Telekommunikationsunternehmens BT und der Lloyds Banking Group, Virgin-Group-Chef Richard Branson sowie hohen Vertretern von Shell und des britischen Industrieverbandes.

Nicht wenige Parteifreunde des konservativen britischen Premierministers Cameron drängen auf einen EU-Austritt. Cameron hat signalisiert, dass er sich ein Referendum darüber bis 2017 vorstellen kann, sollte er 2015 wiedergewählt werden. Umfragen zeigen, dass die Briten durchaus für eine solch radikale Kehrtwende stimmen könnten. Wirtschaftlich wäre dies aber hochriskant, betonen Experten.

Großbritannien müsste seine Handelsbeziehungen mit den jetzigen EU-Partnern neu verhandeln. Auch die Rahmensetzungen für Geschäfte mit Ländern außerhalb der EU, womöglich auch die Position innerhalb der Welthandelsorganisation WTO bedürften einer Überarbeitung. Der in Großbritannien besonders wichtige Finanzsektor könnte unter Druck kommen.


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