Liederliche Pleiten-Theorie

Nach dem Sieg beim Song Contest feiert Dänemark seine Barfuß-Prinzessin. In Deutschland wird Angela Merkel die Schuld am Cascada-Flop in die Schuhe geschoben.

Von Christiane Fasching

Innsbruck –Kaum ist der 58. Song Contest Geschichte, wird auch schon ans nächste Liederstreit-Kapitel gedacht, das von 13. bis 17. März in Dänemark über die Bühne gehen wird. Wo genau, steht noch in den Sternen – um die Austragung des größten Wettsingens der Welt, das heuer aus dem südschwedischen Malmö kam, bewerben sich neben der Hauptstadt Kopenhagen auch die Textilmetropole Herning und die Hafenstadt Aalborg. Da wie dort wird vorerst aber Emmelie de Forest gefeiert, die mit „Only Teardrops“ 13 Jahre nach dem Triumph der Olsen Brothers den Liederstreit wieder ins „Kongeriget Danmark“ holte. Es war ein Start-Ziel-Triumph, den die 20-Jährige in der Malmö-Arena einfuhr: Sie war als Favoritin ins Rennen gegangen, die Überraschung über ihren Sieg nach Punkten (281 an der Zahl) hielt sich daher also in Grenzen.

Grenzenlos enttäuscht war man dafür in Deutschland über das Abschneiden von Cascada-Frontfrau Natalie Hörler, die mit mageren 18 Pünktchen abgespeist wurde und nur auf Platz 21 landete. Nur fünf von 38 stimmberechtigten Nationen (darunter Österreich) riefen für die Dance-Queen an – dabei war Rampensau Hörler zwischenzeitlich sogar als Geheimfavoritin auf den Sieg gehandelt worden. Ein Umstand, der am Wochenende nun so manchen Verschwörungstheoretiker auf den Plan rief: Unter ihnen Thomas Schreiber, der Unterhaltungskoordinator der ARD, der mit einer eigenwilligen Erklärung für Aufsehen sorgte.

„Man muss eben auch sehen, dass da nicht nur Cascada, sondern auch Deutschland auf der Bühne stand“, sinnierte er – und brachte sogar Angela Merkel ins Spiel. Deren Sparkurs wegen der Euro-Krise trage Mitschuld daran, dass Länder wie Griechenland beim Voten bewusst die schwarz-rot-goldene Kandidatin ausgespart hätten. Bundeskanzlerin Merkel hat sich dazu noch nicht geäußert. Womöglich, weil sie gerade selbst an einer Performance für 2014 arbeitet, um die deutsche Ehre wieder herzustellen ...

Trotz Natália Kellys Scheitern im Semifinale, wo sie auf dem 14. von 16 möglichen Plätzen landete, packte beim ORF niemand die Verschwörungs-Keule aus. Gut möglich, dass man am Küniglberg aber auch einfach gar nicht mehr über den Song Contest reden will: Während am Samstag weltweit mehr als 120 Millionen Menschen nach Malmö zappten, zählte man in Österreich gerade einmal 350.000 Zuseher – für eine Samstagabend-Show eine Enttäuschung.


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