Polizei-“Botschafter“ - Mikl-Leitner findet US-Vorbild gut

Allerdings räumen die US-Behörden ein, dass es hin und wieder Probleme mit „Möchtegern-Polizisten“ gebe.

Washington/Wien - Die kürzlich gestarteten Sicherheitsstammtische und die Netzwerkplattform der heimischen Exekutive haben sich bereits etabliert, künftig könnten auch „Botschafter“ aus der Bevölkerung für ein bessere Verständnis zwischen Polizei und Gesellschaft sorgen. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) hat sich bei der US-amerikanischen Bundespolizei FBI in Washington über eine “Bürger Akademie“ informiert und hält dies für eine „gute Idee“, die man sich durchaus auch für Österreich überlegen könnte.

Das FBI bildet Kontaktpersonen in bestimmten Gruppen der Gesellschaft aus, um die Bevölkerung für die Arbeit der Polizei zu sensibilisieren, erklärte Konrad Kogler, Generaldirektor für öffentliche Sicherheit gegenüber Journalisten. Die Ausbildung läuft über acht bis zehn Wochen an jeweils einem Abend. Die Arbeit des FBI wird dabei ebenso vermittelt wie die Funktionsweise der Kooperation. Bezahlt werden diese „Schlüsselpersonen“ nicht, auch tragen sie keine Waffe.

„Wir haben ein gutes System mit den Bürgerstammtischen und der Netzwerkplattform. Aber das ist sicher etwas, das man sich anschauen kann“, so die Ministerin. Die „Citizen Academy“ des FBI haben bereits 17.000 Ehrenamtliche absolviert. Die Zahl der Bewerber für eine derartige Funktion in der Bevölkerung ist laut Kogler doppelt so hoch wie die Zahl jener, die ausgebildet werden kann.

Besucht hat Mikl-Leitner auf ihrer US-Reise auch eine Polizeieinheit in der Nähe von Washington zur Vorbeugung von Kriminalität. Sie betreut derzeit unter anderem 330 Nachbarschaftsstreifen, gestartet wurde das Programm 1979. Ihre Aufgabe ist es, Verdächtiges an die Polizei zu melden. Jährlich werden mehrere hundert Teilnehmer kostenlos geschult, die Größe der einzelnen Gruppen variiere dabei, erklärte Ruben Castilla, First Sergeant und Supervisor der Präventionseinheit. Sie erhalten von der Exekutive via E-Mail auch laufend Informationen über aktuelle Fälle. Ob die Teilnehmer der Wache dann zu Fuß, mit dem Rad oder im Auto unterwegs sind, entscheiden sie selbst. Castilla versicherte jedenfalls: „Es funktioniert.“ Die Teilnehmer werden auch aufgefordert, bei Verbrechen nicht selbst einzugreifen: „Ruf die Polizei“, appellierte der Sergeant.

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Castilla räumte ein, dass es hin und wieder Probleme mit „Möchtegern-Polizisten“ gebe, gelegentlich werden auch falsche Beschuldigungen über Personen getätigt. Dies halte sich jedoch in Grenzen. Um die Bevölkerung zur Mitarbeit zu motivieren, wirbt die Polizei laut Castilla offensiv über mehrere Kanäle, etwa über Anzeigen, im Radio oder über Social Media. Auch diverse Events sollen die Beziehung zur Bevölkerung noch stärken. (APA)


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