Aufnahmeverfahren, Master und „Turnus“ für alle

Die Regierung hat die Reform der Lehrerausbildung ins Parlament verabschiedet. Die Ausbildung für Pflichtschullehrer wird künftig deutlich länger. Interessenten für Lehramtsstudenten müssen sich erstmals den an den Pädagogischen Hochschulen bereits etablierten Zugangsverfahren stellen.

Wien - Wer Lehrer werden will, muss dafür künftig unabhängig vom Schultyp zunächst ein Aufnahmeverfahren bestehen und danach ein vierjähriges Bachelor-, ein ein- bis eineinhalbjähriges Masterstudium und eine dem „Turnus“ der Mediziner ähnliche einjährige Praxiseinführung durch einen Mentor hinter sich bringen. Während die SPÖ sich über ein „Jahrhundertprojekt“ freute, orten die Grünen einen „überaus teuren und pädagogisch kontraproduktiven Kompetenz-Wirrwarr“, das BZÖ findet die Reform „halbherzig“.

Deutliche Änderungen bringt die neue Lehrerausbildung für die bisher an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildeten Lehrer für Pflichtschulen (Volks, Haupt-, Sonder-, Berufs-, Polytechnische Schule): Ihre Ausbildungsdauer wird von bisher drei Jahren (Bachelor) auf fünf bis fünfeinhalb Jahre (Bachelor und Master als Voraussetzung für Fixanstellung) fast verdoppelt. Volksschullehrer können auch künftig zur Gänze an den PH ausgebildet werden. Kaum Änderungen bei der Dauer gibt es für Lehrer an AHS oder berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS), hier müssen sich Studieninteressenten allerdings erstmals den an PH bereits etablierten Zugangsverfahren stellen.

Für Sekundarlehrer (AHS, BMHS, Hauptschule) muss der Master zumindest in Kooperation mit einer Uni stattfinden - wobei man im Wissenschaftsministerium davon ausgeht, dass es auch schon beim Bachelor mehr Kooperationen geben wird, um den Absolventen einen Anschluss ohne zusätzlich von den Unis eingeforderte Prüfungen zu ermöglichen. Der Master kann dann berufsbegleitend während oder aber vor Beginn der einjährigen Induktionsphase absolviert werden (vorgesehen waren ursprünglich ein bis zwei Jahre).

Elementarpädagogen vorerst nicht Teil der gemeinsamen Ausbildung

Am Begutachtungsentwurf war von vielen Seiten kritisiert worden, dass die Elementarpädagogen vorerst nicht wie ursprünglich geplant Teil der gemeinsamen Ausbildung sein werden. So sieht zwar der Gesetzesentwurf ein Bachelorstudium für „Elementar- und/oder Primarbereich“ vor, allerdings haben sowohl Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) als auch Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) betont, dass eine Ausbildung für diese Gruppe vorerst mangels entsprechender Angebote weiterhin nicht an den Hochschulen stattfinden wird.

Aus Sicht von SP-Bildungssprecher Elmar Mayer bringt die Reform „eine einheitliche und gleichwertige Ausbildung auf höchstem Niveau“, Praxisnähe und Wissenschaftlichkeit würden deutlich gesteigert. Für Wissenschaftsminister Töchterle rückt durch die neue Lehrerausbildung die Strukturdebatte in den Hintergrund: Immerhin bekomme künftig jeder Schüler, egal ob er eine AHS oder Hauptschule/Neue Mittelschule besucht, „den besten Lehrer“, da künftig jeder Sekundarstufenlehrer einen universitären Masterabschluss absolvieren muss. Um sicherzustellen, dass es „keinen Abschluss ohne Anschluss“ geben wird, sollen die PH die Curricula für Bachelor und Master gemeinsam vorlegen.

Grüne und BZÖ unzufrieden

Unzufrieden mit der Reform der Regierung zeigen sich indes die Oppositionsparteien: Grüne und BZÖ bemängeln das weitgehende Fehlen der Kindergartenpädagogen. Laut Grünen-Bildungssprecher Harald Walser ist damit Österreich das nach einer Reform in Malta einzige Land in Europa, das seine Elementarpädagogen nicht auf akademischem Niveau ausbilde. BZÖ-Bildungssprecherin Ursula Haubner befürchtet unterdessen, dass das geplante vierjährige Bachelorstudium nur dazu diene, „hier billigere Lehrer ohne Master auszubilden“. (APA)


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