Diese Carmen sucht noch ihr Feuer

Elina Garancas Wiener Staatsopern-Debüt als Carmen: stimmlich souverän, doch stark unterkühlt.

Von Stefan Musil

Wien –Endlich! Jetzt hat auch die Wiener Staatsoper Elina Garanca als Carmen erlebt. Überzeugende Interpretinnen dieser Rolle sind rar, weshalb man sich über jeden Mezzosopran freut, der der Hauptpartie in Bizets Schlager zumindest adäquates stimmliches Leben einhauchen kann. Man erinnert sich: Die umschwärmte Garanca beschloss 2007, ihr Rollendebüt als Carmen zu geben – möglichst unbeachtet am Opernhaus ihrer Heimatstadt Riga. Der Plan ging nicht ganz auf, die halbe Opernwelt pilgerte nach Lettland.

Die Carmen zählt seither zu Garancas Paraderollen. Auch an der Staatsoper war schon 2010 ihr erster Auftritt in dieser Partie vorgesehen. Meisterdirigent Mariss Jansons sollte sein Wiener Operndebüt geben, Rolando Villazón war als Don José avisiert und Anna Netrebko als Micaëla. Doch dann fiel Jansons krankheitsbedingt aus, Villazón folgte und schließlich sagte auch Garanca ab.

Wiens Operngemeinde musste also bis 2013 warten, um Garancas Rollendebüt zu erleben. Als bildhübsche, blonde Carmen bewegte sich die Sängerin durch die immer noch höchst ansehnliche Zeffirelli-Produktion. Stimmlich sitzt die Partie perfekt, sieht man davon ab, dass sich Garancas Mezzosopran längst in Richtung Höhe entwickelt hat und eine dunkel gefärbte, tragfähige Tiefe, nicht zu den größten Stärken der Sängerin zählt. Doch insgesamt klingt hier alles ungemein souverän, sogar etwas zu souverän und kalkuliert, denn die temperamentvolle, Männerherzen verzehrende Tabakarbeiterin nimmt man ihr nur sehr bedingt ab.

Weit mehr Intensität und Draufgängertum, das sich dann auch in ein paar angestrengten Höhen entlud, bot ihr Don José auf, mit dem Roberto Alagna sein erfolgreiches Wiener Rollendebüt gab. Als großer Gewinn ließ sich Anita Hartigs erste Wiener Micaëla verbuchen, die mit ihrem wunderbar blühenden Sopran restlos überzeugte und lautstark bejubelt wurde. Ebenso blendend schlugen sich Ileana Tonca und Juliette Mars als Frasquita und Mercédès, während der für Ludovic Tézier als Escamillo eingesprungene Massimo Cavalletti mit recht grobschlächtigem Bariton stark überfordert war. Bertrand de Billy bemühte sich mit Erfolg am Pult des Staatsopernorchesters um einen differenzierten, sehr französischen „Carmen“-Klang und konnte trotzdem einige arge Verständigungsprobleme mit der Bühne nicht verhindern.

Am Ende gab es herzlichen, doch überraschend schnell endenden Zuspruch für eine „Carmen“, die ihr Feuer noch finden muss.


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