Skylab stürzte ab, Skyactiv hob ab

Jede Zeit hat ihre Technik: In den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts machte eine US-Weltraumstation Schlagzeilen, nach wenigen Jahren ging sie allerdings über Australien nieder. Die Innovationen, die im neuen Mazda6 Sport Combi zu finden sind, verhelfen den Japanern dagegen zu Höhenflügen.

Von Markus Höscheler

Nicht immer unter einem guten Stern steht ein Produkt, wenn es das Label Sky trägt. Noch in frischer Erinnerung sind die Unannehmlichkeiten, die der unglücklich und mangelhaft geplante Terminal Skylink dem Flughafen Wien und seinen Kunden machte. Dicke rote Zahlen begleiteten den Vorläufer des Bezahlsenders Sky, genannt Premiere, und zeichneten seinen Eigentümern Sorgenfalten auf die Stirn. Nicht minder groß waren die Furchen jener, die am Projekt Skylab mitarbeiteten. Die US-Weltraumstation, 1973 per Rakete in die Umlaufbahn geschossen, machte anfangs in technischer Hinsicht Riesenprobleme – und am Ende auch. 1979 stürzte Skylab über Westaustralien ab, glücklicherweise verletzten die Trümmer niemanden.

Vor Trümmern stand vor wenigen Jahren der japanische Hersteller Mazda: Der wichtigste Eigentümer, der US-Hersteller Ford, trennte sich von den Anteilen, der hohe Yen-Kurs erschwerte das Exportgeschäft. Mazda rutschte in die Verlustzone. Die Verantwortungsträger entschieden sich, neue Entwicklungen und neue Modelle voranzutreiben – und versahen ihre Maßnahmenoffensive mit dem Label „Skyactiv“.

Dahinter verbergen sich andersartig gestaltete Verbrennungsmotoren, leichtere Getriebearten und Leichtbautechnik. Die erste Baureihe, die mit Skyactiv-Technik in serienreifer Ausführung auf die Kundschaft losgelassen wurde, war das Kompakt-SUV CX-5 – mit anhaltendem Erfolg. Skyactiv-Botschafter Nummer zwei ist die neue Mazda6-Generation. Die ist seit Anfang dieses Jahres auf dem Markt; und in Form des Sport Combi seit Anfang Februar im TT-Dauertestfuhrpark.

Die Langheckvariante hat sich sofort Sympathien erschlichen. Schon der optische Auftritt ist vorbildlich, zumal er von der Coupé-Studie Shinari zahlreiche Design-Merkmale übernommen hat. Zu diesen zählt der recht groß geratene Kühlergrill mit der den unteren Bereich abschließenden Chromspange. Diese reicht in die schmalen Frontscheinwerferschlitze, welche in die ausgestellten vorderen Radhäuser auslaufen. Schwungvoll sind Motorhaube und Dachlinie samt schräg gezeichnetem Heckfenster ausgefallen. Trotz der coupéartig verlaufenden Linie lässt sich der Mazda6 Sport Combi als nützlicher Laster verwenden. Das Netto-Kofferraumvolumen beläuft sich auf 522 Liter, brutto sind es 1648, inklusive leichtgängig umlegbarer Rücksitzlehnen und ebener Ladefläche.

Für außergewöhnlich sperrige Güter, etwa ein Surfbrett, bietet sich die Dachreling an, auf der problemlos ein Dachträger montiert werden kann, wie bereits redaktionell erprobt. Die Tester honorieren aber nicht nur das Raumangebot, sondern auch die im Innenraum verwendeten Materialien samt sorgfältiger Verarbeitung.

Der zur Verfügung gestellte, 4,81 Meter lange Wagen überzeugt unter anderem mit Lederausstattung und einem praktischen Navigationsgerät (TomTom), was den Anschaffungspreis auf über 35.000 Euro anhebt. Am meisten verzückt nach mehr als drei Monaten jedoch der Zweiliter-Vierzylinder-Benzinmotor. Der leistet 165 PS, verzichtet jedoch auf jegliche künstliche Beatmung. Dennoch beschleunigt das Aggregat achtbar, was hauptsächlich einer ungewöhnlich hohen Kraftstoff-/Luft-Verdichtung geschuldet ist. Im Ergebnis spricht der Verbrenner rasch an, verspricht rasche Ampelstarts und einen relativ geringen Verbrauch.

Bei uns pendelte sich der Durchschnitt bei 6,8 Litern je 100 Kilometern ein – obwohl die Gesamtlaufleistung erst 7000 Kilometer aufzeigt. Dass der Mazda6 Sport Combi außerdem über eine direkte Lenkung verfügt, regt zu kurvendynamischem Fahren an – entsprechend straff ist das Fahrwerk ausgelegt.

Der Mazda6 Sport Combi animiert zu langen Ausflügen, seine vielversprechende Skyactiv-Technik beflügelt zudem den Hersteller: Der schreibt seit heuer wieder schwarze Zahlen.


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