Tornado-Katastrophe: Verzweifelte Suche nach vermissten Kindern

Die Kleinstadt Moore in Oklahoma wurde innerhalb von 40 Minuten in ein Trümmerfeld verwandelt. Besonders schlimm erwischte es eine Volksschule. Auch am Dienstag suchten Helfer noch verzweifelt nach vermissten Kindern. Die Opferzahl wurde indes nach unten korrigiert.

Oklahoma City - Es sind Bilder wie aus einem Endzeitfilm: In den Wohngebieten der Kleinstadt Moore hat der Tornado nichts als Verwüstung übrig gelassen. Die Einwohner stehen in einem Trümmerfeld, das früher ihr Zuhause war, zwischen zersplitterten Häuserlatten, Dachtrümmern und Wasserfontänen aus zerstörten Leitungen. Hunde suchen ihre Besitzer, Pferde stehen verloren in der Gegend. Rund 40 Minuten hat der Sturm im US-Bundesstaat Oklahoma gewütet.

Zunächst hatte es geheißen, mindestens 91 Menschen seien bei dem verheerenden Wirbelsturm ums Leben gekommen, mittlerweile wurde diese Zahl von den Behörden auf 64 korrigiert. Die Gerichtsmedizin Oklahoma City erklärte, dass einige Leichen möglicherweise doppelt gezählt worden seien. „Es herrschte viele Chaos“, sagte eine Behördenvertreterin.

Den Menschen war nicht viel Zeit geblieben, sich in Sicherheit zu bringen. Zwischen der Warnung des Wetterdienstes über die Sirenen in den Ortschaften bis zu dem Moment, als der Rüssel des Sturms auf den Boden stieß, seien nur 16 Minuten geblieben. Dann raste der Trichter mit 320 Kilometern pro Stunde auf die Ortschaften nahe Oklahoma-City zu.

Einige Wohngebiete „einfach weggewischt“

Die Menschen, die in den wenigen Minuten Schutz in Kellern finden konnten, sammeln nun ihre Habseligkeiten aus den Trümmern ihres Besitzes, packen sie in Rucksäcke und Koffer, sie suchen Verwandte, Freunde und Nachbarn, die immer noch vermisst werden. Manche haben alles verloren. „Zahlreiche Wohngebiete wurden komplett dem Boden gleichgemacht“, sagt ein Polizist aus Oklahoma-City am Telefon der New York Times. Manche Gebiete seien „einfach weggewischt worden.“

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Den Nachrichtensender Russia Today erreichte das Video eines Mannes, der nach dem Unwetter aus seinem Schutzkeller ins Freie tritt und vor hohen Trümmerhaufen steht. Sprachlos filmt er den Schaden und zitiert dann aus der Bibel: „Der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat‘s genommen.“

20 Schüler getötet

Nach dem Sturm kamen die Menschen aus der Umgebung, um zu helfen. Allen fällt es schwer, das Ausmaß der Zerstörung zu formulieren. „Es ist so verheerend. Dafür gibt es keine Worte“, sagte eine Mutter von drei Kindern, die sich mit ihrer Familie in einen Schutzkeller retten konnte, dem Sender Foxnews. Als sie die Warnung erhielten, seien sie gerannt, hätten im Schutzraum gewartet. Nun kehrten sie zur Plaza Towers Elementary School zurück, um gemeinsam mit anderen Hilfskräften nach verschütteten Kindern zu suchen. „Wir haben versucht, so nahe wie möglich an die Stelle zu kommen, wo wir die Kinder von Freunden vermuten.“

Mindestens 20 Kinder kamen ums Leben als der Tornado das Schulgebäude aus den Grundfesten riss und die Trümmer Hunderte Meter hoch in die Luft schleuderte. Viele Volksschüler sollen noch unter dem Schutt des Gebäudes liegen. Die Rettungskräfte gruben auch am Dienstagmorgen verzweifelt in den Trümmern - auf der Suche nach möglichen Lebenszeichen. Doch die Zeit rinnt davon, für die Vermissten besteht kaum noch Hoffnung.

Botschaften an Hauswänden

Einige Bewohner hinterlassen Angehörigen Botschaften, wohl um ihnen zu vergewissern, dass sie nicht verschüttet sind. „Wir haben überlebt“, hat jemand in großen Buchstaben an eine Hauswand gesprüht. Aus einer der zerstörten Schulen von Moore macht ein besonders tragisches Foto die Runde: Rucksäcke von Schülern hängen an einer noch stehenden Wand, der Rest des Raumes liegt in Trümmern.

Zwischen zahlreichen aufs eigene Dach geworfenen und zerdrückten Autos suchte auch Larry Whitmoore nach seinem Geländewagen. Seine Schwiegerfamilie habe bereits in einem früheren Wirbelsturm ihr Zuhause verloren, erzählte er dem Videoreporter des lokalen Nachrichtenkanals NewsOK. Sein Kopf ist in einen Verband gewickelt. „Aber wir kommen zurück. Wir sind ‚Oklahomans‘. Dafür sind wir bekannt - dass wir zurückkommen.“

Von Juliane Wienß und Johannes Schmitt-Tegge/dpa


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