Licht von Kairo bis Kapstadt: Am Kongo entsteht ein Monster

Mit „Grand Inga“ wird am Kongo in Zentralafrika das größte Wasserkraftwerk der Welt errichtet. Das 80 Milliarden Dollar-Projekt soll nicht nur den Kontinent mit Strom versorgen, sondern vor allem in ein neues Zeitalter der Industrialisierung führen.

Paris – Der Staudamm wird alles dagewesene in den Schatten stellen. Am Kongo entsteht ab Oktober 2015 das größte Wasserkraftwerk der Welt. Licht von Kairo bis Kapstadt soll er bringen – und den Kontinent in ein neues Industriezeitalter führen. Große Erwartungen an ein gigantisches Projekt. Und ganz unbescheiden hieß es nach der Grundsatzentscheidung zum Projekt am Samstag in Paris von Seiten der Betreiber: „Den Traum gibt es schon seit 40 Jahren, jetzt wird Grand Inga Wirklichkeit.“

In der französischen Hauptstadt kamen Delegationen der Demokratischen Republik Kongo, aus Südafrika und Investoren zusammen. Man verständigte sich auf einen Fahrplan, der die Umsetzung in mehrere Phasen unterteilt. Die erste Bauphase soll demnach im Oktober 2015 mit der Errichtung von „Inga 3“, einem Kraftwerk mit der Nennleistung von 4800 Megawatt eingeläutet werden. 12 Milliarden Dollar fließen in dieses Kraftwerk, das zwei bestehende Kraftwerke, „Inga 1“ und „Inga 2“ (Leistung: 1800 MW), ergänzen wird.

Ein Gigant als Zwerg

Erst dann geht es ans Eingemachte. Für „Grand Inga“ wird – im Gegensatz zu „Inga 1“ und „Inga 2“ der ganze Kongo-Fluss in ein Nebental umgeleitet und dort aufgestaut. Bei Fertigstellung soll der Damm dann einen Nennleistung von gigantischen 40.000 Megwatt haben – um 21.800 MW mehr als der 2008 in Betrieb gegangene Drei-Schluchten-Damm am Jangsekiang in China, der neben „Grand Inga“ zwergenhaft erscheinen wird.

Seit den 1970er-Jahren wird über das Projekt gesprochen. 150 Kilometer vor der Mündung des Kongo gibt es an den Inga-Fällen, wo das Wasser rund 100 Meter in die Tiefe stürzt, ideale Voraussetzungen für den Bau, der insgesamt rund 80 Milliarden Dollar verschlingen soll.

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„Grand Inga wird mehr als die Hälfte des gesamten Kontinents mit günstiger, erneuerbarer Energie versorgen“, sagte Bruno Kalala, DRK-Minister für Wasserressourcen und Energie. Andere sprechen plakativ vom Licht, das von Kairo (Ägypten) bis Kapstadt (Südafrika) mit Energie aus dem Mega-Staudamm gespeist werden soll.

Internationale Firmen bieten mit

Für die Entwicklung des Projekts bewerben sich drei Bieter-Konsortien: Sinohydro gemeinsam mit der Three Gorges Corporation aus China, Actividades de Construccion y Servicios, Eurofinsa und AEE aus Spanien und außerdem das Daewoo-Posco-SNC Lavalin-Konsortium aus Korea und Kanada.

Und egal, welcher Bieter zum Zug kommen wird. Afrikas Wasserkraftanteil am gesamten Energiemix wird mit dem Damm schlagartig steigen. Derzeit werden erst 8 Prozent des technischen Potenzials für die Stromerzeugung genutzt. Dem stehen laut der internationalen Energieagentur 26 Prozent in Lateinamerika und 53 Prozent in Europa gegenüber.

Die gigantischen Ausmaße des Projekts sorgen aber auch für heftige Kritik von Seiten der Umweltschützer. Der Eingriff ins Ökosystem des Landes wird groß sein, Überschwemmungsflächen müssten trocken gelegt werden und im stehenden Wasser des Stausees könnten sich Stechmücken vermehren und Krankheiten übertragen. (tt.com)


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