Musikus mit geerdeter Wohnkultur

Der Berufsmusiker und -komponist Herbert Kröll vom Kleinstummerberg ist mit der Formation „Z 3“ ein bekannter Vertreter der volkstümlichen Zillertal-Szene. Sein Wohnraum entspricht seinem Naturell.

Von Peter Hörhager

Stummerberg –„Ich hab es gebaut nach meinem Sinn – wem es nicht gefällt, schau woanders hin“ – Hermann Kröll hat 1939 beim Bau seines Hauses am Kleinstummerberg (s)eine klare Betrachtungsweise zu seinem Anwesen festgelegt. Der einleitende Spruch empfängt nämlich jeden Besucher beim Betreten des Hauses. Der Meinung des Vaters bzw. Großvaters schließen sich auch die jetzigen Bewohner voll und ganz an. Bei diesen handelt es sich um Herbert Kröll und seine Mama Martha. Sie wohnen zwar unter einem Dach, aber getrennt – die Mama unten, der Sohn oben. Er ist es, dem diesmal der Besuch gilt. Herbert Kröll – der Name ist in der volkstümlichen Szene ein Begriff. Als Musiker und Komponist diverser älplerischer Ohrwürmer. „Die Grubertaler, die Zillertaler Mander, die von mir geführten Ensembles – für alle habe ich Lieder geschrieben“, betont er. Nachsatz: „Auch der Hansi Hinterseer hat ein Lied von mir in seinem Repertoire.“ Komponieren ist die eine Seite des Berufsmusikers aus dem Zillertal, das Musizieren – logischerweise – die andere. Gemeinsam mit Josef­ Wechselberger und Stefan Schiestl bildet er die Gruppe­ Z 3 – Die drei Zillertaler, die sich nebst anderen Stars der Szene (Semino Rossi­, Zellberg Buam, Grubertaler, Tiroler­ Mander …) unlängst bei der „Licht ins Dunkel“-Gala in Zell am Ziller in den Dienst der guten Sache stellten. Vorläufer von Z 3 mit teils anderer Besetzung waren der Zillertal Express und die Gruppe ZiM. Daneben spielt Herbert Kröll mit wechselnden Partnern in verschiedenen Duos. Ja, und dann ist er noch Vizepräsident des Musikantenstammtischs in der „Thaler-Tränke“. „Schürzenjäger“ Peter Steinlechner und der umtriebige „Wurzen-Max“, der dieser Tage seinen 90. Geburtstag feiert, sowie sein Onkel Max Kröll von den Casanovas sind unter anderem Mitglieder dieser sanges- und trinkfreudigen Runde.

Und wie wohnt er, der gelernte Einzelhandelskaufmann? „Bodenständig, konservativ, unspektakulär – so wie ich selber bin“, lacht er. Der Altbestand setzt größeren Umbauten Grenzen, was sich vor allem in der niedrigen Raumhöhe zeigt. Urbestand ist eigentlich nur noch die getäfelte Stube im Erdgeschoß mit ihrem Kachelofen und dem traditionellen Herrgottswinkel. Das Obergeschoß hat sich der Herbert im Jahre 2010 neu gestaltet. Nach seinen Vorstellungen, umgesetzt von einem Tischler, da Möbel von der Stange schwer zu integrieren gewesen wären. „Wenn du ein modernes Haus beschreiben möchtest, musst du das neue Domizil von meinem Musikerkollegen Stefan am Distelberg besuchen“, stellt er klar. Und ergänzt: „Eine hypermoderne Einrichtung würde gar nicht zu unserem Haus passen.“ Eigentlich erstaunlich: Fotos von Auftritten oder diverse Auszeichnungen vermisst man. Die Erklärung des Hausherrn: „Ich bin kein Trophäensammler!“ Trotzdem ist unübersehbar, dass er Musiker ist. In jedem Raum steht mindestens eines der „Arbeitsgeräte“ des Zillertalers. Besonders stolz ist er auf seine erste Gitarre, „die habe ich mir mit meinem ersten selbst verdienten Geld gekauft“. Gelehrt hat ihn das Spiel darauf der Hubert Bichler. „Und schon damals habe ich nur ein Ziel vor Augen gehabt – Berufsmusiker zu werden“, blickt er zurück. Ein Ziel, das er vor sieben Jahren erreicht hat.


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