Silzer gewinnt Öl mit kerniger Idee

Auf Silzer Äckern kann man nicht von einer Ölkrise sprechen. Christian Reich pflanzt dort seit 2011 Kürbisse an und produziert daraus das „Tiroler Kernöl“. Sein Versuch fällt auf fruchtbaren Boden.

Von Matthias Reichle

Silz –Mit Ölscheichs kennt sich Christian Reich aus. Der Silzer hat über längere Zeit in Dubai in der Baubranche gearbeitet. Einem Land, das seinen Reichtum aus seinen Ölquellen schöpft. Zurück vom Persischen Golf stieg der 34-Jährige vor zwei Jahren selbst ins Ölgeschäft ein – auf österreichische Art.

Reich ist nach eigenen Angaben Tirols einziger Kürbiskernölproduzent.

Das „Schwarze Gold“ bringt man in seiner essbaren Variante gemeinhin mit der Steiermark in Verbindung. Wenngleich die Kerne für das steirische Öl auch schon unerlaubterweise aus China importiert werden – was für Schlagzeilen sorgte.

Reichs „Tiroler Kürbiskernöl“ stammt zu 100 Prozent aus Silzer Anbau.

Vor wenigen Tagen wurde die diesjährige Saat ausgebracht. „Letztes Jahr war es ein viertel Hektar, heuer ein halber Hektar Anbaufläche“, erklärt der „kernige“ Oberländer stolz. Mit großen Landwirtschaften wie jenen in Ostösterreich kann er damit nicht annähernd konkurrieren – er will es aber auch nicht.

2012 betrug der Ertrag seiner kleinen „Ölquellen“ rund 120 Liter. „So viel wie ein durchschnittlicher Milchbetrieb bei uns pro Tag produziert“, schmunzelt der Nebenerwerbsbauer, der für seine ausgefallenen Ideen bekannt ist. Sie kommen ihm „beim Kartenspielen“.

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Auf seinem Acker wuchsen bereits Tabak und Pfefferoni, auch Zierkürbisse gediehen bei ihm prächtig. Der Kürbisanbau ist ein Projekt, bei dem die ganze Familie mitarbeitet: Freundin Elisabeth, sein Bruder und die Eltern.

„Die Landwirtschaft läuft bei uns in die falsche Richtung“, erklärt der Silzer seinen Antrieb, in ungewöhnliche Produkte zu investieren: „Wir bauen an, wofür wir Förderungen bekommen“, anstatt dass man sich Nischen suche. Er geht einen anderen Weg und vermarktet sein „Tiroler Kürbiskernöl“ in kleinen schwarzen Ein-Viertelliter-Dosen mit einem roten Adler als Logo.

Den Grundstein für sein Produkt legte Reich während eines Studienaufenthalts in Moldawien. Dort lernte er den Direktor einer steirischen Landwirtschaftsschule kennen, der ihn daraufhin auch mit dem nötigen Know-how versorgte.

Seither geht es mit dem Anbau langsam, aber stetig bergauf. Es ist ein Hobby und wird sich erst ab dem vierten Jahr rechnen, hofft er. Bis dahin will er sein „Schwarzes Gold“ auf einem Hektar anbauen. Das ist dann jedoch auch schon das Maximum. „Danach wird es wirklich viel Arbeit und ist hobbymäßig nicht mehr zu schaffen.“

Immerhin müssen die Kürbisse nicht nur von Hand geerntet, sondern auch händisch entkernt werden. Über zweieinhalb Wochen war die Familie anfangs damit beschäftigt. Seit dem letzten Jahr hilft eine überdimensionale „Zitronenpresse“, die das Fruchtfleisch von den knapp 6000 Kürbishüllen trennt.

Die Ernte ist erst Mitte, Ende Oktober – aufgrund des raueren Klimas in Tirol einen Monat später als in Ostösterreich. Dann ist die Sonne auch meist schon zu schwach, um die Kerne im Freien zu trocknen. Gepresst wird in einer Ölmühle in der Steiermark – jenem Bundesland, aus dem übrigens auch das Saatgut kommt.

Absatzprobleme habe Christian Reich für sein Tiroler Kernöl bisher keine, sagt er selbst. Bislang wurde auch der letzte Tropfen verkauft. Trotz des stolzen Preises. Mit 9 Euro ist der Viertelliter Kürbiskernöl 70-mal so teuer wie die gleiche Menge Erdöl. Dafür ist es aber wesentlich schmackhafter. Das Aroma der aktuellen Ernte ist „leicht rauchig“. Das hänge vor allem von der Pressung und Röstung ab. Aber auch von der Witterung des jeweiligen Jahres, betont Reich.

Das heurige wird für ihn ein arbeitsintensives. Zusätzlich zum Öl soll auch ein feiner Apfelessig mit Holunder kreiert werden. Außerdem denkt er daran, einen kleinen Bauernmarkt am Hof in Silz einzurichten. Viele neue Ideen, die derzeit im Kopf des umtriebigen Silzers umgehen.


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