Tiroler oder Rumänen: Wer darf die Schwedenbomen retten?

Die Rettung von Niemetz ist in der Nacht auf Mittwoch gescheitert, weil das erforderliche Investment nicht rechtzeitig eingelangt ist. Nun startet der Verkauf. Die Tiroler Interfood hat gute Chancen.

Wien – Monatelang hat der Wiener Schwedenbombenhersteller Niemetz ums Überleben gekämpft – trotz großer Fangemeinde, die auch enthusiastisch einkaufte –, erfolglos. Mittwochfrüh teilte Masseverwalter Stephan Riel den Gläubigern mit, dass die Rettung des insolventen Unternehmens gescheitert ist und es verkauft wird. Der zu Erfüllung des Sanierungsplan erforderliche Betrag von 4,2 Mio. Euro ist bis zum Ablauf der Frist um Mitternacht nicht eingelangt, sagte Roman Tahbaz vom Kreditschutzverband von 1870 (KSV). Die Folge: Bereits heute beginnt der Verkauf der insolventen Schwedenbombenfabrik.

Die Gläubiger hatten letzten Donnerstag nach zähem Ringen einen Sanierungsplan des insolventen Unternehmens abgesegnet, wonach bis Dienstag 24.00 Uhr knapp 4,2 Mio. Euro aufgetrieben werden sollten. Gelingen hätte dies mithilfe der südamerikanischen BAGRUP Investments Kolumbien SA mit dem Deutschen Peter Barthel als Geschäftsführer sollen.

Tiroler bieten mit

Im Rennen sind dabei der Tiroler Lebensmittelgroßhändler Interfood und die dem Meinl-Firmenimperium zugehörige Heidi Chocolate S.A. mit Sitz in Rumänien. Beide Interessenten haben ihre ursprünglichen Angebote zuletzt noch einmal nachgebessert und würden sich Niemetz je rund 4,3 Mio. Euro kosten lassen, erklärte Tahbaz.

Für 14.00 Uhr wurde ein Gläubigerausschuss anberaumt, um die Veräußerung formell vom Gericht bestätigen zu lassen. (tt.com, APA)

Chronologie der gescheiterten Rettung:

3. August 2012: Es wird bekannt, dass Niemetz seit geraumer Zeit finanzielle Schwierigkeiten hat und Mitarbeiter zuletzt nur teilweise oder gar nicht bezahlt worden sind. Von der Möglichkeit eines baldigen Insolvenzantrags ist ebenfalls bereits die Rede. Die Firmenleitung versichert, das Unternehmen sei nicht in Gefahr.

9. August 2012: Niemetz-Anwalt Stephan Nitzl bekräftigt, es bestehe keine Insolvenzgefahr. Er stellt eine Finanzierungslösung in Aussicht und berichtet von Gesprächen mit Banken und Finanzpartnern.

5. Dezember 2012: Niemetz verkauft seinen Produktionsstandort am Rennweg in Wien-Landstraße. Wienwert Immobilien und der Bauträger SÜBA wollen dort Wohnungen bauen. Vertraglich wird vereinbart, dass der Süßwarenfabrikant das Gelände noch drei Jahre lang nutzen kann. Das lukrierte Kapital soll die Zukunft der Schwedenbomben sichern, ein Überbrückungskredit wird gewährt.

20. Jänner 2013: Es wird bekannt, dass das Finanzamt kurz vor Jahreswechsel 2012/2013 wegen Steuerschulden einen Konkursantrag gegen Niemetz gestellt hat.

1. Februar 2013: Niemetz ist insolvent und beantragt ein Sanierungsverfahren. Die Passiva der drei Gesellschaften umfassenden Unternehmensgruppe werden mit rund fünf Mio. Euro beziffert. 70 Gläubiger und 66 Dienstnehmer sind betroffen. Der Betrieb wird von Masseverwalter Stephan Riel weitergeführt, eine 20-Prozent-Quote wird den Gläubigern in Aussicht gestellt. In der Folge erfährt die Schwedenbombe durch Solidaritätsbekundungen im Internet temporären Kultstatus. Lebensmittelhändler berichten von ausverkauften Regalen.

5. Februar 2013: Den Mitarbeitern von Niemetz - sie warten großteils noch immer auf ihre Jänner-Löhne - wird in einer Betriebsversammlung mitgeteilt, dass sie beim Insolvenzfonds angemeldet worden sind. Die Betriebsleitung betont weiterhin, die Rettung aus eigener Kraft stemmen zu wollen. Experten nennen indes die geringe Produktpalette, fehlendes Marketing und den veralteten Maschinenpark als Gründe für die finanzielle Schieflage des Unternehmens.

6. Februar 2013: Dank einer Factoring-Finanzierung bekommt Niemetz über eine zwischengeschaltete Bank schnelles Geld, um Aufträge des Handels erledigen zu können. Die Produktion wird bis an die Kapazitätsgrenzen hochgefahren, Supermärkte können wieder beliefert werden.

9. April 2013: Die Gläubiger lehnen bei der Prüfungstagsatzung die angebotene 20-Prozent-Quote ab, sie fordern eine 50-Prozent-Barquote. Masseverwalter Riel kündigt eine Erhöhung an und betont, dass dafür entweder die Gesellschafter zusätzliches Geld auftreiben müssen oder alternativ ein Verkauf geprüft werde. Gleichzeitig legt der Schnittenfabrikant Manner ein unverbindliches Angebot zur Übernahme von Niemetz vor. Auch Heindl und Guschlbauer sind unter den Interessenten.

7. Mai 2013: Niemetz erhält noch einmal eine letzte Galgenfrist. Die Gläubiger stimmen in der Sanierungsplantagsatzung dem Antrag der Schuldnerin zu, die Abstimmung bis zum 16. Mai zu erstrecken. Allerdings fordern die Gläubigervertreter nun eine 75-Prozent-Barquote, was einer aufzubringenden Summe von rund 3,3 Mio. Euro plus Verfahrenskosten entspricht.

16. Mai 2013: Die Gläubiger sprechen sich für einer Sanierung mit einer Barquote von 95-Prozent aus. Als Zahlungsfrist für die mehr als 4,1 Mio. Euro einigt man sich auf den 21. Mai. Das Geld soll laut Niemetz von einem vorerst nicht näher genannten südamerikanischen Investor - medial wird die BAGRUP Investments Kolumbien SA mit dem Deutschen Peter Barthel als Geschäftsführer kolportiert - kommen.

22. Mai 2013: Die Niemetz-Rettung ist endgültig geplatzt. Die geforderte Summe ist bis 21. Mai, Mitternacht, nicht auf dem Konto des Masseverwalters gelandet. Damit wird das Unternehmen verkauft, wobei zuletzt noch der Tiroler Lebensmittelhändler Interfood und die zum Meinl-Imperium gehörende Heidi Chocolate S.A. mit Sitz in Rumänien im Rennen waren.


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