Ausgebüxt in Vomperbach, gefunden in Westendorf

Ein kleines, zahmes Reh hat eine knapp dreiwöchige Odyssee hinter sich. Doch nun gab es ein Happy End für Reh und Besitzer.

Von Harald Angerer und Angela Dähling

Westendorf, Vomperbach –Die Hoffnung war schon fast verloren, doch plötzlich kam die gute Nachricht aus Westendorf. Das Reh Hedy ist wohlauf! Die Geschichte beginnt in Vomperbach und endet in Westendorf. Dazwischen liegen ein abgebrochener Kuraufenthalt, stundenlange Suche, Hunderte Kilometer Wald und Wiesen, misslungene Fangversuche und das Internet.

Der Besitzer von Hedy, Manfred Orgler aus Vomperbach, hatte das Reh aufgezogen und war zur Kur in Bad Häring. Kurz vor Kurende erfuhr er, dass sein Reh verschwunden war. Sofort fuhr er heim. „Am 26. April war sie nachts noch da, am 27. war sie weg und am 28. wurde sie in Fügenberg gesehen, wo sie zwei Wanderinnen begleitete“, erzählt Orgler, der das Tier vor einem Jahr im Alter von wenigen Tagen von einem Jäger erhalten und mit der Flasche großgezogen hatte. Eine verzweifelte Suche begann. Auch eine Anzeige in der Zeitung half nichts. Sie wurde nur im Bezirk Schwaz veröffentlicht und was Orgler nicht wusste: Das Reh war längst über alle Berge. „Am 9. Mai hat mich ein Jäger angerufen, dass ein handzahmes Reh beim Grassl-Bauern in Westendorf gefunden wurde und fragt, ob er es zu uns bringen kann“, schildert Christine Kurz. Sie betreibt mit ihrem Mann Georg den Gasthof Alte Mittel und hat ein Gehege mit zwei zahmen Rehen.

„Wir hatten keine Ahnung, wem das Reh gehört. Wenn es aus der Nähe gewesen wäre, dann hätten wir ihn ja sicher gekannt“, sagt Kurz. Die Suche nach dem Besitzer war schwierig und so setzte sie dann auf das Internet und Facebook. Kurz startete dort einen Aufruf, ob wer vielleicht etwas über das Reh weiß. „Wir haben damit an die 7000 Personen erreicht und nach einer Woche hat sich Manfred bei uns gemeldet, er ist dann auch sofort gekommen. Die Wiedersehensfreude bei Reh und Besitzer war riesig“, schildert Kurz.

Sie spricht von großem Glück, dass das Reh diese Odyssee unbeschadet überstanden hat. Das Reh wurde immer wieder von Personen gesehen, vom Zillertal über Kundl bis letztendlich in Westendorf. „Das ist schon ein Wunder, dass ich sie gesund wiederhabe“, freut sich Manfred Orgler. Wie das zahme Tier abhandenkam und innerhalb von einem Tag von Vomperbach nach Fügenberg gelangte, ist ihm ein Rätsel. Hedy konnte sich auf seinem Hof frei bewegen, weggelaufen sei sie nie. Nächtigen tat sie in einem Stall. „Als ich sie wiederhatte, hat sie fast zwei Tage dort nur geschlafen, so fertig war sie. Und jetzt folgt sie mir auf Schritt und Tritt“, sagt Orgler. Er hat jetzt ein großes Gehege abgezäunt, damit Hedy ein weiteres Abenteuer erspart bleibt.


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