Syriens Rebellen rufen um Hilfe in der Stadt Kusseir

Das syrische Regime und seine Verbündeten feiern militärische Erfolge. Die EU streitet darüber, ob sie die Rebellen besser bewaffnen soll.

Damaskus, Brüssel –In Syrien sind die Rebellen im Westen des Landes offenbar in die Defensive geraten. Die Streitkräfte des Regimes von Präsident Assad sollen die strategisch wichtige Stadt Kusseir zumindest teilweise erobert haben. Jetzt dehnen sie ihre Offensive auf andere Städte und Dörfer an der Linie zwischen Damaskus und dem Mittelmeer aus. Sie werden dabei auch von Kämpfern der libanesischen Hisbollah-Miliz unterstützt.

Gestern rief die Opposition offen dazu auf, den Rebellen zu Hilfe zu kommen. „Revolutionäre Bataillone und Freie Syrische Armee, eilt zur Rettung von Kusseir und Homs!“, hieß es in einer Erklärung des Oppositionsführers George Sabra. Nach unterschiedlichen Angaben sitzen in der Stadt auch 25.000 bis 50.000 Zivilisten fest. Sabra forderte deshalb von der UNO die Einrichtung eines humanitären Korridors. Der deutsche Bundesnachrichtendienst hat laut Medienberichten seine Einschätzung der Lage in Syrien revidiert und erwartet jetzt einen Vormarsch der Assad-Truppen. Der Spiegel (Online-Ausgabe) prognostizierte, Kusseir werde sich im Rückblick als das „Stalingrad der Rebellen“ herausstellen. Der Verkehrsknotenpunkt liegt nur wenige Kilometer von der Grenze zum Libanon entfernt. Durch die Stadt führte die zentrale Nachschubroute der Rebellen sowie eine Rückzugsroute für Angehörige des Regimes, die sich in die Küstenregion absetzen wollen.

Während in Syrien die Rebellen militärische Rückschläge hinnehmen müssen, tagten gestern in Jordanien die „Freunde Syriens“, zu denen westliche und arabische Staaten sowie die Türkei gehören. Vor Beginn des Treffens übte der britische Außenminister William Hague scharfe Kritik an der Einmischung des Iran und der Hisbollah in Syrien. Im Libanon kam es in der Stadt Tripoli erneut zu Gewalt zwischen Anhängern und Gegnern des Assad-Regimes.

Syrien kam gestern auch am Rande des EU-Gipfels in Brüssel zur Sprache. Europa muss in den kommenden Tagen entscheiden, ob das mit Ende Mai auslaufende EU-Waffenembargo für Syrien verlängt werden soll. Österreichs Kanzler Werner Faymann (SPÖ) drohte in Brüssel erneut mit dem Abzug der österreichischen Blauhelme vom Golan, sollte es zu einer Aufhebung des Waffenembargos zugunsten der Opposition kommen. Es gebe einen „Zeitpunkt, wo die Gefahr für unsere Soldaten so eingeschätzt wird, dass wir nicht mehr verantworten können, den UNO-Einsatz zu leisten“, sagte Faymann. Der britische Premier David Cameron erklärte andererseits, die EU sei nun bereit, das Waffenembargo gegen Syrien zugunsten der Opposition aufzuheben. (TT, dpa, APA)


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