Teamchef Koller nominiert Arnautovic für Schweden-Spiel

Teamchef Koller verzichtete für das letzte WM-Quali-Spiel vor der Sommerpause gegen Schweden auf Überraschungen.

Wien – Die Einberufung von Österreichs „Bad Boy“ Marko Arnautovic für das WM-Qualifikations-Match gegen Schweden ist am Mittwoch das bestimmende Thema bei der Kaderbekanntgabe von Marcel Koller gewesen. Der Teamchef verteidigte seine Treue zum von Werder Bremen Ende April suspendierten Offensivspieler vehement.

„Für uns ist die Qualität der Spieler entscheidend. Für uns war die Frage: Wollen wir auf seine Qualitäten verzichten? Auf uns wartet ein extrem wichtiges Match, dafür brauchen wir die Besten“, erklärte der Schweizer vor dem Schlüsselmatch der Gruppe C am 7. Juni.

„Es war kein Banküberfall“

Arnautovic hatte seinem stattlichen „Sündenregister“ vor rund einem Monat eine nächtliche Autobahnraserei hinzugefügt. Und das wenige Tage vor einem wichtigen Liga-Match von Werder, das damals im Abstiegskampf steckte. „Arnautovic ist in Bremen bestraft worden für das, was er gemacht hat“, sagte Koller, der hinzufügte: „Ich habe ihm in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass ich das nicht gutheiße. Aber es war kein Banküberfall, das sind junge Menschen.“

Aufgrund der unterschiedlichen Berichte in den Medien über den Zwischenfall sei es Koller auch schwer gefallen, „die ganze Wahrheit herauszukriegen“. „Speziell bei ihm ist es immer schwierig, wenn man nicht direkt dabei war. In allen Zeitungen ist etwas anderes gestanden.“

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Der 52-Jährige betonte auch, dass sich Arnautovic im Kreise des ÖFB-Teams noch nichts zuschulde kommen hat lassen. „Bei uns hat er so etwas noch nicht gemacht. Deshalb habe ich auch keinen Grund gesehen, etwas zu ändern. Sollte er etwas tun, das nicht gut für uns ist, werden auch wir eingreifen.“

„Spieler sind immer wieder auf Bewährung“

Die Einberufung sei aber „keine Zusage für die nächsten zehn Jahre“. „Die Spieler sind immer wieder auf Bewährung, auf dem Platz, aber sicher auch außerhalb.“ Koller geht davon aus, dass die Einberufung von Arnautovic nicht für dicke Luft im ÖFB-Camp sorgen werde. „Das eine oder andere werde ich sicher ansprechen. Wenn jemand das Gefühl hat, dass das nicht passt, dann soll er das persönlich mit mir und nicht hintenherum mit Journalisten besprechen.“

Beim zweigeteilten Countdown auf das Schweden-Match in Stegersbach (29.5. bis 1.6.) und Wien (ab 2.6.) wird sich für Koller dann herausstellen, ob Arnautovic auch für einen Platz in seiner Elf infrage kommt. „Ich habe mich bei Bremen erkundigt. Es war ja nicht so, dass er jetzt die Füße hochgelegt hat. Er hat mit einem Individualtrainer und bei den Amateuren trainiert. Ob Einsatz und Luft reichen, werden wir abklären und sehen“, sagte Koller.

Das gilt natürlich auch für den bei Trabzonspor ausgemusterten Marc Janko, dem Koller ebenfalls die Stange hält. Seit Janko in der Türkei auf dem Abstellgleis gelandet ist, trainiert der Stürmer auch zusätzlich nach einem von Koller und bei ÖFB-Conditioning-Coach Roger Spry erstellten Trainingsprogramm.

Dass der Eidgenosse seinem Stamm trotz teilweise mangelnder Spielpraxis die Treue hält, gehört zu Kollers Programm. „Wir haben das Team so zusammengestellt, dass wir glauben, die können gegen eine routinierte schwedische Mannschaft etwas bewegen. Sie haben ja das Fußballspielen nicht verlernt. Wir setzen auf die Spieler, die schon länger dabei sind und unsere Ideen kennen. Wir haben Vertrauen in diese Spieler.“

Viele Akteure fehlen zu Beginn

Beim ersten Vorbereitungsblock in Stegersbach werden zahlreiche wichtige Akteure nicht dabei sein können: die im heimischen Cupfinale engagierten Austrianer Heinz Lindner, Manuel Ortlechner, Markus Suttner und Philipp Hosiner, die im deutschen Pokalfinale spielenden David Alaba (Bayern München) und Martin Harnik (VfB Stuttgart) sowie eventuell auch Christian Fuchs (Schalke). Ab 2. Juni hat Koller dann in Wien alle Mann an Bord.

Die Partie im Ernst-Happel-Stadion ist mit 48.500 Zuschauern längst ausverkauft, 2.700 Fans aus Schweden werden erwartet. Dass Zlatan Ibrahimovic der große Star der schwedischen Truppe ist, daran besteht auch für Koller kein Zweifel. „Aber sich nur auf Ibrahimovic zu konzentrieren, das ist eindeutig zu wenig. Ibrahimovic ist natürlich der überragende Spieler und bei jeder gefährlichen Aktion mit dabei. Aber Schweden ist auch eine sehr gute und körperlich robuste Organisation mit zwei Viererreihen.“

Die Weltranglistenpositionen (Schweden 24., Österreich 71.) sprechen eigentlich eine deutliche Sprache, doch Koller ist sich sicher: „Wir haben unsere Möglichkeiten, um ihnen Schmerzen zu bereiten.“ Bei einem Sieg gegen die Schweden hat das ÖFB-Team gute Karten im Rennen um Rang zwei, der die Chance auf ein WM-Ticket 2014 am Leben erhält. (APA)

Der 23-Mann-Kader der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft für das WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden am 7. Juni in Wien:

Tor: Robert Almer (Fortuna Düsseldorf/GER, 7 Länderspiele), Heinz Lindner (Austria Wien, 4), Ramazan Özcan (Ingolstadt/GER, 1)

Verteidigung: Aleksandar Dragovic (FC Basel/SUI, 20 Länderspiele/0 Tore), Christian Fuchs (FC Schalke/GER, 53/1), György Garics (Bologna/ITA, 32/2), Florian Klein (Red Bull Salzburg, 14/0), Emanuel Pogatetz (West Ham United/ENG, 55/2), Sebastian Prödl (Werder Bremen/GER, 39/3), Manuel Ortlechner (Austria Wien, 8/0), Markus Suttner (Austria Wien, 7/0)

Mittelfeld: David Alaba (Bayern München/GER, 24/3), Marko Arnautovic (Werder Bremen/GER, 26/7), Julian Baumgartlinger (Mainz/GER, 26/0), Martin Harnik (VfB Stuttgart/GER, 35/9), Andreas Ivanschitz (Mainz/GER, 61/11), Jakob Jantscher (Dynamo Moskau/RUS, 15/1), Zlatko Junuzovic (Werder Bremen/GER, 26/4), Christoph Leitgeb (Red Bull Salzburg, 32/0), Franz Schiemer (Red Bull Salzburg, 24/4)

Sturm: Philipp Hosiner (Austria Wien, 3/2), Marc Janko (Trabzonspor/TUR, 33/14), Andreas Weimann (Aston Villa/ENG, 5/0)

Auf Abruf: Thomas Gebauer (SV Ried, 0), Martin Hinteregger (Red Bull Salzburg, 0), Michael Madl (Sturm Graz, 0), Andreas Ulmer (Red Bull Salzburg, 2/0), Guido Burgstaller (Rapid Wien, 5/0), Alexander Gorgon (Austria Wien, 0), Alexander Grünwald (Austria Wien, 0), Thomas Hinum (SV Ried, 0), Raphael Holzhauser (VfB Stuttgart/GER, 0), Florian Mader (Austria Wien, 0), Marcel Sabitzer (Rapid Wien,1/0), Patrick Bürger (SV Mattersburg, 2/0), Rubin Okotie (Sturm Graz, 5/0)


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