Image des Bezirks wird aufpoliert

Eine neue Initiative soll dem Talentschwund im Bezirk gegen- steuern. Dafür wird an vielen Baustellen gleichzeitig gearbeitet.

Von Simone Tschol

Reutte –Der Bezirk Reutte kämpft seit Jahren mit dem so genannten Brain-Drain – der Abwanderung von Intelligenz einer Volkswirtschaft. Das heißt nichts anderes, als dass viele Außerferner sich nach der Matura für ein Studium in Innsbruck, Wien oder andernorts entscheiden und nicht mehr in die Region zurückkehren. Gleichzeitig leidet die hiesige Wirtschaft unter latentem Fachkräftemangel, auch bei Hochqualifizierten.

Dieser Entwicklung soll nun gegengesteuert werden. Der erste Schritt ist eine noch druckfrische Bildungs- und Berufsberatungsbroschüre mit dem Titel „Matura, Studium, Job – dein Plan fürs Außerfern“, die von der Regionalentwicklung Außerfern in Kooperation mit Wirtschaft, Schulen und Hochschulen zusammengestellt wurde.

„Viele beginnen ein Studium – oft auch eins, für das es im Bezirk keinen Bedarf gibt. Oder sie finden da, wo sie studieren, einen Job, einen Partner, Freunde und bleiben dort. Das ist auch gesellschaftlich ein riesiger Verlust für die Region“, sagt REA-Geschäftsführer Günther Salchner und nennt ein Beispiel: „Derzeit studieren 14 Außerferner Medizin. Voraussichtlich kommt aber keiner davon zurück ins Außerfern. Andererseits muss das Bezirkskrankenhaus auf Karrieremessen nach Fachärzten suchen.“ Die Broschüre soll Kindern und Eltern aufzeigen, welche Möglichkeiten es gibt. Der Fokus liegt dabei auf Studien, die vom Bezirk aus möglich sind, wie beispielsweise in Kempten.

„Die Unternehmen befinden sich in einem ungemein starken Wettbewerb. Schon jetzt lautet die Frage: Wer gewinnt die besten Köpfe? Und die demographische Entwicklung wird diesen Wettbewerb noch verstärkten“, ist der Präsident der Industriellenvereinigung Tirol, Reinhard Schretter, überzeugt. Vor allem technikorientierte Berufe werden im Außerfern, dem am höchsten industrialisierten Bezirk Tirols, seiner Meinung nach künftig besonders gefragt sein.

„Auch uns ist es wichtig, dass die Schüler nach der Ausbildung hier im Bezirk Fuß fassen können. Wir arbeiten deshalb gerade an einer Lösung, damit Schüler aus dem technischen Zweig direkt ins Ingenieurkolleg (IKA) einsteigen können“, lässt Gym-Direktorin Brigitte Jaindl wissen. Auch die heimische Wirtschaftskammer will sich einbringen. Obmann Michael Baldauf: „Wir werden versuchen, den Standort so darzustellen, dass es für junge Leute interessant ist, wieder zurückzukommen. Sonst müssen wir das Problem durch Zuwanderung lösen. Aber das wollen wir auch nicht über die Maßen tun.“

Alle Protagonisten sind sich jedoch einig, dass nicht zwingend ein Studium angestrebt werden muss. Auch handwerkliche Fähigkeiten werden künftig gefragt sein.


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