Brutale Exekution in Südtirol: Waren Täter auch in Österreich aktiv?

Ein Immobilienhändler wurde Anfang März unweit des Brennerpasses mit einem Genickschuss exekutiert. Die Täter konnten kurze Zeit später verhaftet werden und sitzen in Prag in U-Haft. Diese könnten für acht bis zehn weitere Entführungs- und Mordfälle verantwortlich sein.

Innsbruck, Bozen – Es sollte ein Geschäft sein, das der tschechische Immobilienhändler Petr V. schon dutzende Male durchgeführt hatte. Dem 72-Jährigen wurde von einem gewissen „Robert Kelner“ ein Geschäft in Frankreich angeboten. V. flog daraufhin am 6. März nach Nizza um sich mit den angeblichen Verkäufern zu treffen. Was Petr V. nicht wusste: Die Männer, die ihn in Nizza erwarteten, hatten andere Pläne.

Mit massiven Schlägen und Drohungen wurde der 72-Jährige laut Polizeiangaben zur Auflösung seines Kontos in Deutschland und zur Überweisung des Geldes auf ein Bankkonto in Wien genötigt. Nach der getätigten Überweisung fuhren die Männer mit Petr V. zurück in Richtung Tschechien. Auf dem Weg blieben die Entführer in einem Waldstück bei Schalders – nahe des Brennerpasses - stehen und zwangen Petr V. auszusteigen. Mit einem Genickschuss aus nächster Nähe wurde der Geschäftsmann dort hingerichtet und in ein Gebüsch gestoßen. Warum die Täter Petr V. erschossen bzw. sich Schalders als Ort dafür ausgesucht haben, ist noch ungeklärt.

Doch damit war die Geldgier der brutalen Täter offenbar nicht befriedigt. Von der Familie des Ermordeten verlangten die Männer Geld für dessen Freilassung, worauf tatsächlich 363.000 Euro von Tschechien auf ein Konto in Wien überwiesen wurden. Durch die eingeschaltete Polizei konnte im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien ein weiterer Transfer des Geldes via E-Banking nach Mauritius unterbunden werden.

Umfangreiche Ermittlungen der österreichischen und tschechischen Polizei führten schließlich zum Erfolg. Am 26. und 27. März wurden der Kopf der Bande, Michael S. (45) sowie die Komplizen Petr K. (37), Libor S. (41), Daniel D. (38) und Petr S. (38) in Tschechien festgenommen, wobei den Brüdern Libor und Petr S. die Gewalttat am Brenner vorgeworfen wird. Die beiden waren erst Anfang dieses Jahres aus dem Gefängnis entlassen worden.

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Bis zu zehn weitere Fälle: Ausgedehnte Ermittlungen in Österreich

Bei der Vernehmung kamen noch weitere Entführungsfälle ans Tageslicht. Ein weiterer Mordfall konnte offenbar geklärt werden. Aber damit sind die Ermittlungen noch längst nicht beendet: Das Bundekriminalamt und die tschechischen Behörden gehen von weiteren acht bis zehn Entführungs- bzw. Mordfällen aus. Unter anderem wollen die Ermittler laut italienischen Medienberichten klären, ob die mutmaßlichen Täter auch für einen ähnlich gelagerten Fall im Jahr 2008 verantwortlich sind – und die abgelegene Stelle bei Schalders aus diesem Grund kennen.

Damals unternahm der Tscheche Jan Motovsky (38) wegen eines Immobiliengeschäfts eine Reise nach Nizza – bis heute fehlt von seiner Leiche jede Spur. Er wurde von den tschechischen Behörden im Mai 2012 für tot erklärt.

Die Behörden glauben, dass es außerdem noch weitere Opfer geben könnte, die derart eingeschüchtert worden sind, sodass bis dato keine Anzeige erstattet wurden. Derzeit wird davon ausgegangen, dass auch Österreicher von diesen Tätern erpresst wurden. An dem Fall arbeiten derzeit Beamte in Italien, Tschechien, Frankreich, Österreich und der Schweiz. (jan, tt.com)

Das BKA bittet um Hinweise:

Das Bundeskriminalamt ersucht daher um zweckdienliche Hinweise aus der Bevölkerung zur Beantwortung folgender Fragen:

1) Wer kennt die auf den Lichtbildern abgebildeten Personen bzw. hatte Kontakt zu ihnen?

2) Wer wurde unter dem Aliasnamen „Robert Kelner“ via E-Mail kontaktiert?

3) Wer kann Angaben zu ähnlichen gelagerten Fällen machen, die bis dato nicht bekannt sind?

Zweckdienliche Hinweise bitte an den SPOC (Journaldienst) des Bundeskriminalamtes unter der Telefonnummer + 43 (0) 1/24836-85025. Einlangende Hinweise werden vertraulich behandelt


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