Britischer Soldat zerstückelt: Terrorangst vor CL-Finale in London

Kurz vor dem Champions-League-Endspiel herrscht wie aus dem Nichts Terrorangst in London. Offenbar islamistische Fanatiker brachten einen britischen Soldaten im Stadtteil Woolwich um. Ein Video zeigt einen mutmaßlichen Angreifer, der ein Beil in den blutverschmierten Händen hält.

London – Kurz vor dem mit Spannung erwarteten Endspiel in der Champions League des europäischen Fußballverbandes in London herrscht an der Themse Terrorangst. Am Mittwoch brachten zwei Männer im Stadtteil Woolwich einen britischen Soldaten auf offener Straße und am helllichten Tag um. Wenig später wurden mit Messern bewaffnete Männer in zwei Moscheen in Kent und Essex gesehen. Zwei Männer wurden festgenommen.

Die zwei Angreifer in London töteten ihr Opfer wohl mit einem Fleischerbeil und Messer, wenige Meter von einer Kaserne. Die britische Regierung bestätigte am Donnerstag, dass es sich bei dem Toten um einen Soldaten der britischen Armee aus der nahe gelegenen Kaserne handelt. Die Angreifer wurden nach der Tat von der Polizei angeschossen und anschließend in Krankenhäuser gebracht. Sie sollen am Donnerstag verhört werden.

Am Donnerstag wurde offenbar einen weiterer Verdächtiger festgenommen. In der Grafschaft Lincolnshire sei in der Früh von Scotland Yard ein Haftbefehl durchgesetzt worden, bestätigte ein Sprecher der Polizei in Lincolnshire. Der Haftbefehl stehe in Zusammenhang mit dem Mord in Woolwich. Nähere Angaben machte die Polizei zunächst nicht.

Video zeigt mutmaßlichen Angreifer

Der britische Sender ITV veröffentlichte ein Video, das den mutmaßlichen Angreifer zeigen soll. Der dunkelhäutige Mann hält ein Fleischerbeil und ein Messer in seinen blutverschmierten Händen. Der Gefilmte gibt sich in dem Video als Angreifer aus.

TT-ePaper gratis testen und 2 VIP-Tickets für das Electric Love Festival gewinnen

Electric Love Festival

„Wir schwören beim allmächtigen Allah, wir hören nie auf, Euch zu bekämpfen, bis Ihr uns in Ruhe lasst“, sagte er in die Kamera. „Auge um Auge, und Zahn um Zahn. Es tut mit leid, dass Frauen das mit ansehen mussten. Aber in unserem Land müssen Frauen dasselbe mitansehen. Ihr werdet nie sicher sein. Setzt Eure Regierung ab. Sie kümmert sich nicht um Euch!“

Cameron: „Deutlichen Hinweise auf terroristischen Akt“

Premierminister David Cameron rief noch am Abend eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitskabinetts ein und machte sich umgehend auf den Rückweg von einem Besuch in Paris. Er wird am Donnerstag eine zweite Sitzung des Sicherheitskabinetts leiten. Die Terrorwarnstufe in Großbritannien wurde zunächst nicht angehoben.

Cameron sprach von „deutlichen Hinweisen auf einen terroristischen Akt“. Die Tat sei „schrecklich“ und „absolut widerwärtig“. Königin Elizabeth, die der Londoner Kaserne Ende Mai einen Besuch abstatten wollte, äußerte sich „besorgt“ über den Angriff, wie ein Palastsprecher mitteilte.

Auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Tat. „Solche Anschläge sind niemals zu rechtfertigen“, sagte er in einem Statement. Die britische Innenministerin Theresa May sagte nach der ersten Sitzung des Sicherheitskabinetts, es sein ein Anschlag „auf alle in Großbritannien“ gewesen. Auch der britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. „Nichts rechtfertigt diesen Mord. Barbarische Akte können in keiner Weise mit dem Islam entschuldigt werden“, hieß es in einem Statement.

Islamfeindliche Aktionen nach der Tat

Nach der Tat kam es in Großbritannien zu islamfeindlichen Aktionen. Ein 43-Jähriger wurde festgenommen, als er mit einem Messer in eine Moschee in der Hauptstadt eindrang, wie ein Abgeordneter auf Twitter berichtete. Ein zweiter Mann wurde wegen Verdachts auf rassistisch motivierte Sachbeschädigung im Südosten des Landes festgenommen.

Die mutmaßlichen Täter sollen auch „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“) gerufen haben, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise. Nach Angaben eines Polizeisprechers werden in unterschiedlichen Krankenhäusern ihre Schussverletzungen behandelt. Sie werden dort von bewaffneten Polizisten bewacht.

Die Sicherheitsvorkehrungen im Umfeld der Kaserne in Woolwich sowie an anderen britischen Militäreinrichtungen wurden verstärkt. Sollte sich der Terrorverdacht erhärten, wäre es der erste nennenswerte Terrorakt auf britischem Boden, seit 2005 bei Anschlägen auf U-Bahnen und Busse 52 Menschen ums Leben gekommen waren. (APA/dpa/AFP/tt.com)


Kommentieren


Schlagworte