Portugals Regierungschef denkt offenbar an Rücktritt

Pedro Passos Coelho setze die Krise des rezessionsgeplagten Landes so zu, dass er sein Amt lieber heute als morgen niederlegen wolle, sagte dessen Vater.

Lissabon - Gewöhnlich nehmen die Eltern prominenter Kinder diese öffentlich in Schutz, doch Portugals Regierungschef hat seinem Vater eine eher unvorteilhafte Schlagzeile zu verdanken: Pedro Passos Coelho setze die Krise des rezessionsgeplagten Landes so zu, dass er sein Amt lieber heute als morgen niederlegen wolle, verriet Antonio Passos Coelho der portugiesischen Tageszeitung „i“ vom Mittwoch. „Er will nur eins - endlich damit abschließen, und die Familie wird feiern, wenn er sich von all dem befreit hat“, sagte der 86-Jährige.

Zwar will der Vater seinen Sohn einst zum Gang in die Politik ermutigt haben. Vor dem exponierten Amt des Regierungschefs habe er ihn jedoch ausdrücklich gewarnt. „Übernimm bloß nicht die Regierungsgeschäfte, das Land ist verloren“, legte er ihm nach eigenen Angaben ans Herz, bevor dieser im Juni 2011 trotzdem Ministerpräsident wurde.

Einen Monat später akzeptierte Portugal das 78 Milliarden Euro schwere Kreditprogramm der internationalen Gläubiger und unterwarf sich damit drastischen Spar- und Reformauflagen. Schon damals prophezeite Passos Coelhos Vater nach eigener Erinnerung: „Jetzt stehen die Leute noch auf deiner Seite, aber in einem Jahr werden sie dich ausbuhen.“

Tatsächlich sieht sich der konservative Politiker wegen der unpopulären Sparbeschlüsse seiner Regierung inzwischen heftigen Protesten der Bevölkerung ausgesetzt, die immer wieder gegen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auf die Straße geht.

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Auch Opposition und Gewerkschaften kritisieren die Reformen des Ministerpräsidenten, der unter anderem den Abbau von 30.000 Stellen im öffentlichen Dienst, die Ausweitung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden sowie eine Anhebung des Renteneintrittsalters von 65 auf 66 Jahre durchsetzte.

Trotz des massiven Gegenwinds hält Antonio Passos Coelho aber weiter fest zu seinem Sohn. „Wir müssen zweifellos Opfer bringen und Kürzungen hinnehmen“, sagte er im Interview. Das betreffe auch ihn selbst: „Ich lebe von meiner Rente, die sinkt und sinkt, ich weiß nicht, wie das reichen soll.“ (APA/AFP)


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