„Psychoterror in Reinkultur“: Haft für Tirols bekanntesten Stalker

Dickes Ende für einen Stalker: Über den Pitztaler, der seine Nachbarn über Jahre stalkte und laut Richter „Psychoterror in Reinkultur“ ausübte, wurde am Donnerstag am Landesgericht Innsbruck die Höchststrafe von einem Jahr verhängt. Außerdem muss er eine zuvor bedingt ausgesprochene Strafe nun doch absitzen.

Innsbruck – Der Fall erschüttert seit Jahren Tirol und zeigt auf, in welche Dimensionen sich blanker Hass auf die Nachbarn steigern kann. Nun hat Richter Josef Geisler mit einer harten Strafe dafür gesorgt, dass (vorerst) wieder Ruhe einkehrt in einem kleinen Weiler im Pitztal.

Der Ort war jahrelang Schauplatz von Terror und Verzweiflung. Grund war ein jahrzehntelanger Streit zwischen den beiden Nachbarsfamilien. Dieser hatte dem 57-Jährigen bereits sechs Vorstrafen wegen Stalkings, Verleumdung, Sachbeschädigung, gefährlicher Drohung und falscher Beweisaussage eingebracht.

Zudem erhielt seine Nachbarin wegen der psychischen Belastung über neun Jahre schon gerichtlich 50.000 Euro zugesprochen, die als Forderung bereits im Grundbuch des 57-Jährigen eingetragen sind.

Unverbesserlich

Seit 2011 wurde am Landesgericht weiterprozessiert. Erneut soll der Pitztaler seine Nachbarn verfolgt und ihnen sogar Nacktschnecken vor die Türe geworfen haben. Und dies, obwohl der Mann erst im Juni 2010 enthaftet worden war.

Zu Gericht reiste der Pitztaler bislang immer mit seiner 89 Jahre alten Mutter an, mit der er seine Nachbarn auf das Unflätigste beschimpft. Im Oktober belegten von den Nachbarn vorgelegte Videoaufnahmen erstmals den tagtäglichen Horror. Zu sehen war der 57-jährige Angeklagte, der durch das teils verzerrte Schreien immergleicher Phrasen und Beleidigungen zu jeder Tages- und Nachtzeit angsteinflößend wirkt. Auch belegt das Video, wie der Mann das Nachbargrundstück mit Nacktschnecken überhäuft.

Weinkrämpfe vor Gericht

Die Nachbarin schilderte darauf die Geschehnisse unter Weinkrämpfen. Seit 12 Jahren ginge das nun schon so und keine einzige Behörde im Bezirk Imst würde helfen. Die verzweifelte Frau vor Richter Josef Geisler: „Ohne Tabletten kann ich nicht mehr schlafen. Wir haben Angst. Der Nachbar schleicht um das Haus und hat immer ein Messer im Sack. Seine Mutter hat mich erst letzte Woche mit dem Besen attackiert. Am meisten leiden aber unsere Kinder. Wo gibt es denn so etwas, dass man eine 13-Jährige nie in den Garten lassen kann!“

Über die Persönlichkeit des Stalkers sagt wohl einiges aus, dass er letzten April für einen Vergiftungsalarm am Landesgericht gesorgt hatte. Unter Weinkrämpfen gab der Pitztaler vor, Rattengift geschluckt zu haben und krümmte sich am Boden. Dort lagen rote Kügelchen verstreut. Nachdem Richter Geisler sofort besorgt den Notarzt kontaktiert hatte, stellte sich später heraus, dass alles nur Schauspiel gewesen war.

„Wahnproblematik nicht sicher“

Ein darauf eingeholtes Gutachten veranlasste Gerichtspsychiater Carl Miller darauf gestern zu folgenden Schlussfolgerungen: „Eine Wahnproblematik ist bei dem Mann nicht sicher festzustellen. Er ist also keineswegs unzurechnungsfähig!“ Auf Antrag von Verteidiger Markus Moser wird nun noch überprüft, ob der eigentliche Wahn nicht bei der Mutter des Angeklagten liegt und dieser sich der Frau nicht entziehen kann.

Aufgrund neuerlicher Vertagung zog Richter Geisler im Sinne der „Terroropfer“ im Februar die Notbremse und ließ den Unverbesserlichen noch im Gerichtssaal von Polizeibeamten verhaften: „Anhand psychisch schwer beeinträchtigter Nachbarn sind hier weiter Straftaten mit schweren Folgen zu befürchten. Hier wurde seitens vieler Stellen schon viel zu lange zugeschaut. So kann es allerdings nicht mehr weitergehen. Als Organ der Rechtspflege muss ich nun alle Möglichkeiten ausnützen, um das Problem zu lösen!“, verkündete Richter Geisler den Beschluss auf Verhängung der U-Haft wegen Tatbegehungsgefahr.

Stunden später hatte Geisler dann schon Kontakt mit dem Bezirksgericht Imst hergestellt, um auch ein Sachwalterschaftsverfahren für die 89-Jährige zu bewirken.

Der Pitztaler brach darauf sofort laut schluchzend in Tränen aus: „Das Auto steht doch vorm Gricht, und die Muatta ist auch mit!“ „Ja, das hätten Sie sich früher überlegen müssen. Sie gehen mir jetzt jedenfalls nicht mehr nach Hause. Der Krug geht eben nur so lange zum Brunnen, bis er bricht!“ Die Polizeiinspektion Wenns übernahm es letztlich, die greise Mutter und das Auto ins Pitztal zu verbringen.

Prozess endet mit erneuter Verurteilung

Am Donnerstag endete nun der Prozess mit einer neuerlichen Verurteilung des Stalkers. Über den 57-Jährigen, der laut Richter Geisler „Psychoterror in Reinkultur“ ausübte, wurde nicht nur zu ein Jahr Gefängnis, sondern weitere sieben Monaten und ein Tag Haft, die ihm einst nachgesehen worden waren, verhängt.

Der Richter legte Wert darauf zu bestätigen, dass es sich im Fall des Pitztalers nicht um einen Nachbarschaftsstreit handelt, sondern um unvorstellbaren Psychoterror größten Ausmaßes.

„Wann, wenn nicht hier, sollte man die Höchststrafe von einem Jahr Haft für Stalking verhängen“, so Geisler. (fell)


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