Astrids Lindgrens eigener Liebling: Michel aus Lönneberga wird 50

Sie hat sich Pippi Langstrumpf und die Kinder von Bullerbü ausgedacht. Astrids Lindgrens eigene Lieblingsfigur war Michel aus Lönneberga. Zum 50. „Geburtstag“ erinnert sich Lindgrens Tochter Karin Nyman an die Entstehung der Serie.

Von Lennart Simonsson, dpa

Stockholm - Von Astrid Lindgrens unsterblichen Kinderbuch-Heldinnen und -Helden hat ihr eigener Liebling jetzt einen „Runden“. „Michel aus Lönneberga“, der im schwedischen Original Emil heißt, wird heute am 23. Mai 50. „Von all den Figuren ist es ihr bei Michel am schwersten gefallen, sich von ihm zu trennen, als die Geschichte fertig war“, sagt die Lindgren-Tochter Karin Nyman (79) zum Jubiläum.

Die weltberühmte Kinderbuch-Autorin wurde 1907 im kleinen Vimmerby im südschwedischen Bezirk Smaland geboren. Ihr Vater Samuel August Ericsson war Bauer. Als Lindgren über Michel und das Landleben vor über hundert Jahren schrieb, habe sie, so die Tochter, auf ihre eigenen Erinnerungen an den elterlichen Hof ebenso zurückgreifen können wie auf die ihres Vaters.

„Als sie die Michel-Bücher schrieb, konnte sie wieder in ihrer eigenen Kindheit und ihrem Dorf leben“, sagt Nyman und fährt fort: „Es hat ihr viel Spaß gemacht in dieser Umgebung, und deshalb ist Michel so eine Lieblingsfigur geworden.“ Schon beim Schreiben las sie die Geschichten ihrem Vater vor. Der habe dann Fehler, wie etwa den Preis der Milch, ausbessern können, erzählt die Tochter.

Nyman erinnert sich, wie die Michel-Geschichten für sie zum ersten Mal „aufpoppten“. Bei einem Besuch in Lindgrens Ferienhaus in Furusund nördlich von Stockholm im August 1962 habe ihr eigener dreijähriger Sohn mal fürchterlich geweint. Bis er ruhig wurde, als die Großmutter ihn plötzlich fragte: „Weißt du eigentlich, was Michel aus Lönneberga mal gemacht hat?“ Da musste der Bub einfach aufhören mit dem Schreien, weil er sonst nie erfahren hätte, was Michel aus Lönneberga einst angestellt hat.

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„Dieser kleine Trick hat oft funktioniert“, erzählt Nyman beim Gespräch in der Wohnung ihrer Mutter. Lindgren lebte hier in der Dalagatan 46 von 1941 bis zu ihrem Tod im Alter von 94 Jahren 2002. Der „Geburtstag“ der Michel-Bücher wurde auf den Tag gesetzt, als Astrid Lindgren in ihrem Tagebuch notierte, dass sie nun die ersten Worte über Michel aus Lönneberga geschrieben habe.

Die Michel-Serie ist in 52 Sprachen übersetzt und vor allem in Deutschland sowie den skandinavischen Ländern ungeheuer beliebt. Zuletzt gab es Übersetzungen auch für Vietnam, Südkorea und China. „Michel ist eine zeitlose Figur“, sagt Ann Sköld Nilsson vom schwedischen Lindgren-Verlag Raben&Sjögren. Der Bub sei „frohgemut, unbezwingbar, geistreich und mit viel Einfühlungsvermögen ausgestattet“ Und: „Er merkt selbst erst nach seinen Streichen, dass es welche waren. Vorher hat er nur die besten Absichten gehabt.“

Zum 50. Geburtstag gibt es überall Neu-Ausgaben der Michel-Bände, so auch beim deutschen Oetinger Verlag. In Lindgrens Kindheits-Haus in Näs bei Vimmerby wird die Entstehungsgeschichte der Serie in einer Ausstellung dargestellt. Im Juni kommt dann eine neue Zeichentrick-Version von Michel-Geschichten heraus.


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