Auf den Spuren von Bischof Reinhold

Das Gymnasium der Innsbrucker Sillgasse unternimmt auf Initiative seines Schulwartes eine nächtliche Pilgerwanderung vom Dom nach Maria Waldrast. Ein Weg, den der verstorbene Bischof Stecher oft ging.

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Es war kurz nach dem Tod von Innsbrucks Altbischof Reinhold Stecher am 29. Jänner des heurigen Jahres, als in Tony Obergantschnig eine Idee zu reifen begann. Eine in der Tiroler Tageszeitung abgedruckte Erinnerung von Gilbert Rosenkranz, dem Leiter der Tiroler Kirchenzeitung, der fünf Jahre lang Pressereferent von Bischof Reinhold Stecher war, war der eigentliche Auslöser für den Plan, den der Schulwart des Innsbrucker Gymnasiums Sillgasse von da an schmiedete. Rosenkranz erinnerte sich an die nächtlichen Pilgerwege, die Stecher während seiner Bischofszeit unternommen hat: „Zu mitternächtlicher Stunde stand er auf, packte seinen Rucksack und ging von seiner Wohnung am Domplatz zu Fuß bis zum Wallfahrtsort Maria Waldrast.“

Die Erzählung hat Obergantschnig tief beeindruckt und er nahm sich vor, eines Tages selbst den etwa 22 Kilometer langen Marsch in Angriff zu nehmen. Und weil die meisten, denen er davon erzählte, die Idee derart großartig fanden und diese auch in der Schule rasch um sich griff, entschloss sich Obergantschnig, daraus eine Wallfahrt für Schülerinnen und Schüler und deren Angehörige zu machen. Das Projekt „Quo vadis“ war geboren.

„Es soll aus der Pilgerwanderung auf den Spuren von Bischof Reinhold Stecher eine Schüler- und Maturawallfahrt werden. Eine moderne Wallfahrt als Maturareise der etwas anderen Art“, erklärt Tony Obergantschnig den Grundgedanken.

Zunächst galt es jedoch, die genaue Wanderroute von Bischof Stecher nachzuvollziehen. „Das war gar nicht so einfach, denn der Bischof war auf seinem nächtlichen Pilgerweg immer alleine unterwegs“, erzählt der Schulwart. Unterstützung fand er zunächst in seiner Lebensgefährtin Sylvia Kammerhofer und in Christian Rosenkranz, Religionspä­dagoge in der Sillgasse.

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Nach Recherchen und Gesprächen mit Freunden und Bekannten des Altbischofs steht die Route, die Stecher nahm, fest. Sie führt vom Domplatz quer durch die Stadt in Richtung Brennerstraße, über Mutters, Raitis, die Telfer Wiesen und bei Mieders hinauf über den Kapellenweg zum Wallfahrtsort Maria Waldrast. „Um den genauen Weg zu finden, den der Bischof damals gegangen ist, haben wir zum Beispiel auch mit Jägern der Gegend gesprochen, die Stecher damals auf seinem nächtlichen Pilgerweg begegnet sind“, berichtet Obergantschnig.

Die Gemeinden Mutters und Mieders unterstützen über die Ortsbauern das Unternehmen und organisieren Labestationen für die Pilger. Die Gemeinde Mühlbachl hat für den Rücktransport der Wanderer Postbusse organisiert, als Fahrkarte gelten die eigens für die Pilgerwanderung gefertigten und handbemalten Pilgermedaillons, die jeder Teilnehmer bekommt.

Aus einer ersten Idee ist mittlerweile ein Projekt geworden, an dem sich unzählige Helfer beteiligen. Auch das soll die Wallfahrt in Zukunft auszeichnen. Denn geht es nach den Organisatoren, dann ist „Quo vadis“ nur die erste von vielen nächtlichen Pilgerwanderungen nach Maria Waldrast, die künftig einmal jährlich stattfinden sollen.

Die Premiere feiert „Quo vadis“ am 29. Juni mit einer Morgenagape am Domplatz durch die Bäckerei Wachtler um 3.30 Uhr, musikalisch und literarisch begleitet von Hanno und Livia Winder und Pepi Pittl. Nach dem Segen durch Bischof Manfred Scheuer ist der Aufbruch um 4 Uhr geplant, Maria Waldrast soll gegen Mittag erreicht werden. Wer Interesse hat teilzunehmen, kann sich ab 3. Juni bei der Hypo Tirol, bei der Caritas oder im Gymnasium Sillgasse anmelden. Die Kosten betragen 25 Euro, das Geld geht zur Gänze an die Brunnenprojekte „Wasser zum Leben“ von Altbischof Stecher. Für Fragen ist außerdem eine E-Mail-Adresse eingerichtet: quo-vadis-2013@aon.at.


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