SPD feiert 150. Geburtstag: Hollande und Gauck würdigen Verdienste

Zu ihrem 150. Geburtstag findet die SPD viel Anerkennung - bei Deutschlands Bundespräsident Gauck genauso wie bei Frankreichs Staatschef Hollande. Beide stellen die von den Sozialdemokraten durchgesetzten Reformen als vorbildlich heraus.

Leipzig - Die historischen Verdienste der Sozialdemokratie für Deutschland und Europa sind zum 150. Geburtstag der SPD einhellig gewürdigt worden. Frankreichs Präsident Francois Hollande sagte am Donnerstag auf dem Festakt in Leipzig, es sei die deutsche Arbeiterbewegung gewesen, die „das sozialistische Ideal mit der Demokratie verknüpft“ habe. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck lobte den reformerischen Ansatz der SPD, die auf Dialog und nicht auf Klassenkampf gesetzt habe.

Mit dem Festakt, bei dem auch rund 300 ausländische Gäste aus mehr als 80 Ländern - darunter auch Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos als Repräsentant der SPÖ - vertreten waren, erinnerte die SPD an die Gründung ihrer Vorläuferorganisation Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (ADAV) durch Ferdinand Lassalle am 23. Mai 1863. Unter den Teilnehmern der Feier war auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Glückwünsche übermittelten Vertreter weiterer Parteien sowie die Gewerkschaften. Parallel fand auf dem Marktplatz von Leipzig ein Bürgerfest statt.

Hollande ruft zu Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit auf

Hollande nutzte seine Gastrede zu einem Aufruf für den gemeinsamen Kampf gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Es sei richtig gewesen, Regelwerke und Disziplin zu schaffen, um die finanzielle Instabilität zu überwinden. „Von nun an muss Europa mit der gleichen Entschlossenheit der Schaffung von Arbeitsplätzen Priorität einräumen, damit wir den Jugendlichen in Europa neue Hoffnung geben.“

Hollande lobte die traditionelle Fähigkeit und Bereitschaft der deutschen Sozialdemokraten, Kompromisse zu schließen und sich den Herausforderungen der Realität zu stellen. Er rechtfertigte auch die Agenda-Reformen des früheren deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder: „Das ermöglicht es Ihrem Land, heute die Nase vorn zu haben.“ Ebenso heute aktuell sei aber die Forderung nach einem Mindestlohn.

„Es war die SPD, die den mühsamen, aber schließlich mehrheitsfähigen Weg beschritt, das Leben der Menschen konkret Stück für Stück zu verbessern, anstatt utopische Fernziele zu proklamieren“, sagte Gauck. Dagegen habe die kommunistische Bewegung „eine neue Klasse der Machtbesitzenden“ geschaffen und „die alte durch eine neue Ohnmacht“ ersetzt. Die SPD habe für Frauenwahlrecht und mehr Arbeitsschutz gekämpft. Gauck würdigte auch, dass Sozialdemokraten gegen den Nationalsozialismus „die Demokratie länger und tapferer verteidigt als die meisten anderen Demokraten“.

„Rückgrat der deutschen Demokratie“

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht in seiner Partei die „demokratische Konstante“ in der deutschen Geschichte. „Die SPD ist seit 150 Jahren das Rückgrat der deutschen Demokratie“, sagte Gabriel in seiner Festrede. Heute sei die neue Herausforderung der Umgang mit der Globalisierung: „Für uns ist Reform nicht Anpassung an ökonomische Zwänge, sondern heißt, die Verhältnisse sozial und ökologisch nachhaltig zu gestalten.“ Er kritisierte, dass Milliarden für die Bankenrettung gezahlt würden, während es gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa „nur Miniprogramme“ gebe.

„150 Jahre haben uns gelehrt: Bei allen Reformen muss der Mensch im Mittelpunkt stehen“, sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Auf dem Festakt spielten das Leipziger Symphonieorchester und der Universitätschors Musikstücke unter Einbeziehung traditionellen sozialdemokratischen Liedguts sowie der „Marseillaise“. Die Schauspieler Iris Berben und David Kross verlasen Zitate großer Sozialdemokraten aus verschiedenen Epochen der Parteigeschichte. (AFP, APA)


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