Umstrittene Immo-Deals: RBI-Chef Stepic nimmt den Hut

Stepic ist in die Kritik geraten, weil er drei Wohnungen in Singapur über zwei Offshore-Firmen gekauft und den Deal nicht seinen Gremien mitgeteilt hatte. Heute gab er seinen Rücktritt bekannt. Ein Nachfolger steht zwar noch nicht fest, aber für den Posten wird unter anderen Ex-Finanzminister Josef Pröll gehandelt.

Wien – Einen unfreiwilligen Abschied, der weniger rühmlich ist, als seine Banker-Karriere, hat der langjährige Vorstandschef der Raiffeisen Bank International (RBI), Herbert Stepic (66), am Freitag angetreten. Grund sind zwei Offshore-Firmen, über die Stepic in Singapur drei Wohnungen angeschafft hatte, ohne die RBI-Gremien zu informieren - auch wenn der Noch-Vorstandschef beteuerte, dass alles legal war und es sich nicht um Offshore-Konstruktionen zur Steuerschonung handle. Am Montag entscheidet der RBI-Aufsichtsrat nach APA-Informationen über die Nachfolge Stepics.

Stepic will Imageschaden verhindern

Raiffeisens „Mr. Osteuropa“ Stepic will die Konstruktionen für Behörden offenlegen, erklärte er vor Journalisten in Wien. Fragen waren nicht möglich - nach einer kurzen Erklärung verschwand der Banker wieder. Er führt die RBI-Geschäfte weiter, bis sein Nachfolger gekürt ist.

Stepic nimmt nach eigener Wahrnehmung den Hut, da er „von dieser meiner Organisation Raiffeisen einen Imageschaden abhalten“ will. Medien schreiben aber, der Aufsichtsrat habe Druck auf ihn ausgeübt. Das Gremium hat dann am Freitagvormittag auch den Rückzug Stepics akzeptiert und befindet sich auf Nachfolgersuche. Als erste Kandidaten dafür wurden in Medien am Freitag Ex-Finanzminister und VP-Vizekanzler Josef Pröll, derzeit Chef des Raiffeisen-Mühlenriesen LLI, aber auch Stepics Vize Karl Sevelda genannt.

Bei den beiden Firmen Yatsenko International Limited und Takego Holdings Limited, über die er Wohungen in Singapur gekauft hat, handle es sich „um private Veranlagungen der Jahre 2006 und 2008. Die aktuellen Fragen dazu resultieren aus Informationen aus dem Offshore-Leaks Pool“, erklärte der scheidende RBI-Chef. „Die Investitionen sind erstens aus in Österreich versteuerten Geldern und Einkünften erfolgt und zweitens handelt es sich um Invests in echte Immobilien in Fernost.“

40-jährige Karriere bei Raiffeisen

Die Investments habe er aus bestem Wissen getätigt, sagte Stepic. „Aus Verantwortung und Verbindung zu meiner Organisation biete ich aber alle meine Funktionen an. Das zwar unter Umständen, die ich mir anders vorgestellt hatte, aber im Bewusstsein, das Beste gegeben zu haben“. Er gehe, weil er wisse, wie emotional und populistisch nun debattiert werde. Sein Rückzug sei ein „Beitrag dazu, dass das, was ich als mein Lebenswerk erachte, nicht in einer emotionalen Diskussion nachhaltigen Schaden nimmt“. Er sei schließlich ein „Oldtimer“ bei Raiffeisen, „seit 40 Jahren in der Organisation, den Werten verbunden“ und habe gestalten dürfen. „Damit bin ich groß geworden“, sagte Stepic, der „mit großer Dankbarkeit und stolz auf Erreichtes“ zurückblickt. Er bedankte sich bei 60.000 RBI-Mitarbeitern, „die hackeln wie die Bösen“.

Der RBI-Aufsichtsrat „anerkennt“ den Rückzug Stepics „als Zeichen der großen Verbundenheit mit dem Unternehmen“. Es werde „umgehend“ über weitere Schritte beraten. Stepic sei es „hoch anzurechnen, dass er mit dieser schwierigen Entscheidung Bereitschaft zeigt, Reputationsschäden abzuwenden“, hieß es von den Mitgliedern des RBI-Aufsichtsratspräsidiums, bestehend aus AR-Präsident Walter Rothensteiner, Stellvertreter Erwin Hameseder, Heinrich Schaller und Markus Mair in einer Aussendung.

FMA will Immo-Deals prüfen

„Herbert Stepic hat durch seine Vision und seine Umsetzungsstärke die Raiffeisen Bank International zu einer führenden Bankengruppe in Österreich und Zentral- und Osteuropa gemacht“, würdigt der Aufsichtsrat den scheidenden CEO.

Der Aufsichtsrat der RBI will die asiatischen Immobilienkäufe prüfen. Auch OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny will sich die Deals gemeinsam mit der Finanzmarktaufsicht anschauen.

Die globalisierungskritische Nicht-Regierungsorganisation Attac stellte in einer Aussendung zum „Fall Stepic“ fest, dass „Offshore-Konstruktionen und Geheimhaltung zu den Standardprodukten und damit zum Geschäftsmodell globaler Banken zählen“. Dies diene der Steuervermeidung. Profitieren würden Vermögende, transnationale Konzerne, Banken, Steuerberatungsfirmen und Juristen, „während die Mehrheit der Menschen die Zeche zahlt“, lautete die Kritik.

Nicht der erste Deal mit schiefer Optik

Für Stepic war es auch nicht der erste Deal mit einer schiefen Optik. Ebenfalls diese Woche ist bekannt geworden, dass die Finanzmarktaufsicht (FMA) ihre Prüfung seines Immo-Deals in Serbien beendet habe. Die FMA hat kein formelles Verfahren eingeleitet, er konnte daher seinen Job als CEO weiter ausüben. Ins Visier der FMA war Stepic wegen der Finanzierung eines privaten Immobiliendeals in Serbien geraten, den der Banker - bzw. sein Treuhänder - mit anderen Investoren über die Kärntner Hypo Alpe-Adria machte. Dabei hatte es eine ungewöhnliche Wertsteigerung des Objektes gegeben. Aber Stepic konnte der FMA nachweisen, dass er aus der Finanzierung ausgestiegen sei. Hypo-intern laufen laut „Standard“ Ermittlungen weiter.

Stepic, einer der profiliertesten Banker des Landes tritt von der Bühne ab. Er gilt als Architekt und Motor der Ostexpansion der RBI und hat Raiffeisen zu „einer führenden Bank in zentral- und Osteuropa und zu einer anerkannten Marke in der internationalen Finanzwelt gemacht“, wie ihn sein Aufsichtsratspräsident Walter Rothensteiner anlässlich eines Geburtstages feierte.

Analyst hat stärkere Aktienreaktion erwartet

Der für die Raiffeisen Bank International (RBI) zuständige Analyst der Erste Group, Günther Hohberger, hat an der Wiener Börse eine noch stärkere Marktreaktion auf den angekündigten Rücktritt des RBI-Vorstandschefs Herbert Stepic erwartet. „Die RBI-Aktien war bis zu 3,3 Prozent im Minus“ - weniger als gedacht, sagte Hohberger gegenüber der APA. Aktuell notieren die RBI-Scheine gar nur noch 1,1 Prozent tiefer.

Die Nachricht sei überraschend gekommen, so der Aktienanalyst. Vor allem weil Stepic bisher argumentiert habe, korrekt versteuert zu haben. Hohberger sieht einen klaren Zusammenhang mit den bekannt gewordenen Offshore-Firmen und dem heute angebotenen Rücktritt.

Am Dienstag stehen die Ergebnisse zum ersten Quartal 2013 an. Diese werde vermutlich Stepics Stellvertreter, Karl Sevelda, präsentieren. Sevelda könnte auch den Vorstandsvorsitz, zumindest vorrübergehend, übernehmen, vermutet Hohberger.

Für Hohberger war Stepic jedenfalls eine „Integrationsfigur“ und ein „guter Netzwerker auf politischer Ebene“, auch in Osteuropa. Fundamental werde der Rücktritt aber kaum Auswirkungen auf die Perfomance des Bankkonzerns haben. „Die Strategie wird sich nicht ändern“, kommentierte Hohberger. (APA/tt.com)

Ein Portrait von RBI-Chef Stepic lesen Sie in der Samstagausgabe der Tiroler Tageszeitung.


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