Die Suche nach Kirche in all ihren Facetten

Kino in der Kirche, Gospelkonzerte, Fotorallye: Die Lange Nacht der Kirchen erlaubte 28.000 Menschen, Gotteshäuser aus einem neuen Blickwinkel zu erleben.

Innsbruck –Persönlicher Empfang zum Auftakt einer langen Nacht: Bischof Manfred Scheuer, Superintendent Olivier Dantine und der serbisch-orthodoxe Pfarrer Vidoslav Vujasin stehen vor dem weit geöffneten Tor der Christuskirche in Innsbruck und bitten die Menschen zum ökumenischen Eröffnungsgottesdienst. Es ist die feierliche Einleitung eines ganz Tirol umfassenden, überkonfessionellen Angebots, zu dem Scheuer mit den Worten „Schau hin, mach die Augen auf, nimm wahr“ geladen hatte. Kirchen seien auch Freiräume, Räume der Entlastung und Ruhe.

Wer besinnliche Momente erleben wollte, fand sie in Innsbruck etwa in der Jesuitenkirche beim Konzert einer Bläsergruppe, später erschallte Vokalmusik von den Emporen. Wer „Ruh­e für seine Seele“ sucht­e, war beim „Abend der Barmherzigkeit“ bei meditativer Musik und Aussprachmöglichkeit in der Servitenkirche richtig. Im Dom war das Smartphone ausdrücklich erwünscht – zur Fotorallye mit gestellten Aufgaben. Und in der vollen Spitalskirche sang der Gospelchor: „Open the eyes of my heart, Lord. I want to see you.“ Angebote, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, machten viele der Besucher – jedenfalls in den Gemeinden mit mehreren Gotteshäusern – zu Pilgern auf der Suche nach „Kirchenraum in all seinen Facetten“, wie Scheue­r gemeint hatte. Sie seien Orte der Begegnung, der Freundschaft, Kommunikation und der Worte. Bei der nächtlichen Diskussion mit Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall sagt­e der Bischof, dass seiner Meinung nach mehr Menschen religiös seien, als dies die öffentliche Meinung widerspiegle. Der Altphilologe Töchterle meinte: „Ich ringe mit dem Glauben.“ Doch in der Bibel gebe es sensationelle Schriftstücke, die es wert seien, gehört und angewandt zu werden.

In diesem Jahr gab es Kooperationen mit der Diözese Bozen-Brixen und der Erzdiözese Salzburg. Insgesamt 80 Kirchenräume in ganz Nordtirol, in Ost- und Südtirol boten verschiedene Programmpunkte an. (ms)

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