Wahl zerrüttet die Landjugend

Tirols VP-Bauernbund hat den Außerferner Jungbauernobmann Larcher sofort nach der Landtagswahl ausgeschlossen. Bauernchef LHStv. Geisler ist für eine Versöhnung bereit.

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Eine zwar ÖVP-nahe, aber an sich doch unpolitische Vereinigung kämpft mit den Nachwehen des Landtagswahlkampfes. Der Riss ging damals mitten durch den Vorstand der Außerferner Landjugend/Jungbauernschaft. Obfrau Jennifer Ginther stärkte im Landtagswahlkampf der ÖVP den Rücken, Obmann Johannes Larcher machte für Vorwärts Tirol mobil. Das Problem: Die gewählten Funktionäre – nicht die einfachen Mitglieder – der Jungbauernschaft/Landjugend gehören automatisch dem Bauernbund und damit der Tiroler ÖVP an. Wer Vorwärts Tirol unterstützte, ging gegen die eigene Partei vor. Larcher ließ es trotz Warnung von Bezirksbauernbundobmann Walter Hackl darauf ankommen und war gemeinsam mit seinem Vorgänger Markus Gerber feuriger Vorwärts-Wahlkämpfer.

Der Außerferner Bauernbund machte in den Vorwahltagen gute Miene zum bösen Spiel, aber schon am Montag nach dem Urnengang kam die Retourkutsche. Bei der Landessitzung des Bauerbundes stellte der Außerferner Bauernchef Walter Hackl mit größtem Nachdruck den Antrag, dass Larcher und Gerber aus dem Tiroler Bauernbund (und damit der ÖVP) ausgeschlossen werden. Der Landesparteivorstand folgte dem Antrag einstimmig.

Gerade im Lechtal kam diese Entscheidung bei vielen Mitgliedern der Landjugend nicht gut an. Alle Lechtaler im Vorstand legten inzwischen ihre Funktionen nieder. Insgesamt sind neun von 21 Funktionären des Bezirksvorstandes zurückgetreten, auch drei von vier Stellvertretern. Handlungsfähig bleibt die Jungbauernschaft/Landjugend trotzdem, wie Obfrau Jennifer Ginther betont: „Natürlich ist die Situation nicht einfach. Aber nach und nach können die Funktionen nachbesetzt werden.“ Eine Neuwahl sei nicht notwendig, da die Hälfte der Funktionsperiode überschritten sei. Ginther bedauert persönlich das Ausscheiden so vieler. „Aber der Ausschluss von Johannes Larcher kam für niemanden überraschend. Er wusste um die Konsequenzen und hat zuvor ja selbst angekündigt, sie auch tragen zu wollen.“

Inzwischen wurde der Pinswanger Richard Wörle zum neuen Obmann berufen, wie Walter Hackl bestätigt. „Die Situation ist nicht erfreulich, das freiwillige Ausscheiden von so vielen aus dem Vorstand tut mir leid. Aber das ist bei Gott nicht das Ende der Jungbauernschaft, wie es manche gern sehen würden“, erklärt der Bezirksbauernbundchef. Auch in den jetzt verwaisten Gebieten wie dem Lechtal oder Tannheimer Tal würden wieder Funktionäre gefunden. Jeder hätte wählen können, wie er wolle, ist für Hackl klar. Dass aber aktiv gegen VP-Landtagskandidaten aus der Jungbauernschaft vorgegangen wurde, habe nicht hingenommen werden können. Er stehe deshalb zum Rauswurf der beiden.

Markus Gerber selbst freut sich über das gute Vorwärts-Wahlergebnis im Bezirk und vor allem im Lechtal: „Ich brauche mich gewiss nicht zu verstecken. Ich bin nur verwundert, dass in keinem einzigen anderen Tiroler Bezirk ein Vorwärts-Sympathisant oder -Kandidat aus der ÖVP ausgeschlossen wurde.“ Nicht einmal beim neuen Osttiroler Vorwärts-Abgeordneten Josef Schett sei das so. „Seine Mitgliedschaft ist nur ruhend gestellt. Aber unsere Helden im Bezirk, wie Hackl und Kleiner, haben sogar angedroht, ihre persönlichen Funktionen zur Verfügung zu stellen, wenn wir nicht entfernt werden“, ätzt Gerber. Und Johannes Larcher legt nach: „Das ist ein Racheakt, mehr nicht.“ Er sei über seinen Rauswurf als Obmann nicht überrascht, „aber erst dadurch wird die Jugendorganisation komplett ins politische Fahrwasser hineingezogen und zerstört“. Die bürgerliche Einstellung könne ihm sowieso nicht genommen werden.

Nun bringt sich auch Tirols Bauernbundchef, LHStv. Josef Geisler, in die Debatte ein. „Es gibt auch eine Zeit nach der Wahl und Brücken müssen gebaut werden. Zu Anna Hosp und Innsbrucks Bürgermeisterin Oppitz-Plörer ist der Kontakt ja auch schon viel besser. Warum soll das im Außerfern nicht auch gelingen?“ Er will kommende Woche in den Bezirk Reutte kommen und die Friedenspfeife rauchen. Ob der Ausschluss aufgehoben wird, will die TT wissen. „So weit werden wir gerade nicht gehen. Außer der Antrag dazu kommt von den beiden selbst, dann muss man reden.“


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