Verbraucher retten Deutschland vor der Rezession

Dank hoher Beschäftigung, guter Tarifabschlüsse und sinkender Inflationsrate bleibt die Verbraucherstimmung Marktforschern zufolge gut.

Wiesbaden - Die Konsumfreude der Verbraucher hat Deutschland vor einer Rezession bewahrt. Im Gegensatz zu Staat und Unternehmen gaben sie von Jänner bis März mehr Geld aus und waren so die wesentlichen Treiber des nur minimalen Wachstums von 0,1 Prozent im ersten Quartal, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Dank hoher Beschäftigung, guter Tarifabschlüsse und sinkender Inflationsrate bleibt die Verbraucherstimmung Marktforschern zufolge gut.

Die privaten Konsumausgaben stiegen den Statistikern zufolge im Vergleich zu den letzten drei Monaten 2012 um 0,8 Prozent. Alle anderen Bereiche gingen laut der detaillierten Statistik im ersten Quartal zurück: Staat und Unternehmen hielten sich mit Ausgaben und Investitionen zurück, Exporte und Importe waren rückläufig.

Die deutsche Wirtschaft war im ersten Quartal nur um 0,1 Prozent gewachsen. Damit war Deutschland nur knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt: Zum Jahresende 2012 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um 0,7 Prozent geschrumpft. Zwei aufeinanderfolgende Quartale mit rückläufigem Bruttoinlandsprodukt sind als Rezession definiert. Für das schwache Wachstum zum Jahresbeginn war auch die extrem winterliche Witterung mitverantwortlich.

Die Löhne und Gehälter stiegen im ersten Quartal je Arbeitnehmer - brutto wie netto - um 2,6 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2012. Weil zudem wieder mehr Menschen offiziell einer Beschäftigung nachgingen, stiegen die Einkommen der Arbeitnehmer insgesamt sogar um 3,6 Prozent. Das verfügbare Einkommen der Privathaushalte erhöhte sich den Statistikern zufolge um 0,5 Prozent.

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Sparneigung auf historischem Tiefstand

Ihr Geld gaben die Deutschen weiterhin lieber aus, statt es auf die hohe Kante zu legen: Die Sparquote betrug im ersten Quartal 13,1 Prozent; ein Jahr zuvor waren es noch 13,6 Prozent gewesen.

Laut dem Marktforschungsunternehmen GfK sank die Sparneigung der Deutschen auf einen historischen Tiefstand. Dies sei vermutlich auch auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zurückzuführen, die Zinsen in der Euro-Zone noch einmal zu senken, um die Konjunktur anzukurbeln. Das Leitzins-Tief hat auch die Sparzinsen auf ein sehr niedriges Niveau sinken lassen.

Ihre Stimmung lassen sich die deutschen Verbraucher jedenfalls trotz der anhaltenden Krise in der Euro-Zone nicht vermiesen. Der Optimismus steigt sogar weiterhin, wie der am Freitag veröffentlichte GfK-Konsumklima-Index zeigt. Demnach legen die Konjunkturerwartungen der Verbraucher leicht zu. Zudem erwarteten sie steigende Einkommen und seien weiterhin zu größeren Anschaffungen bereit. Der GfK-Konsumklima-Index für Mai beträgt 6,2 Punkte nach 6,0 Zählern im April. Für Juni sagen die Marktforscher sogar einen Anstieg auf 6,5 Punkte voraus.

Verantwortlich für die gute Stimmung sei unter anderem die gute Lage am deutschen Arbeitsmarkt, erklärte die GfK. Hinzu kämen gute Tarifabschlüsse und die niedrige Inflation. Die IG Metall hatte für die Metall- und Elektrobranche in der vergangenen Woche ein Lohnplus von 5,6 Prozent ausgehandelt. Gleichzeitig sind die Verbraucherpreise zuletzt so langsam gestiegen wie seit drei Jahren nicht mehr: 1,2 Prozent betrug die Inflationsrate in Deutschland im April. (APA/AFP)


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