„Alte Chemie“: Strahlendosis war enorm

Nach der erhöhten Strahlungsmessung an der „Alten Chemie“ der Innsbrucker Universität, die mit einem Zwischenfall in Seibersdorf Anfang Mai zusammenhängen dürfte, weist die Universität Innsbruck jede Schuld von sich.

Bei einem Unfall am 17. Mai 2013 in der „Alten Chemie“ war radioaktive Strahlung ausgetreten. (Symbolbild)
© APA/ROBERT PARIGGER

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Innsbrucker Forscher, der vor knapp drei Wochen mit radioaktivem Material kontaminiert wurde, muss um seine Gesundheit bangen. Wie die Recherchen ergaben, soll die Dosis, die in seinem Körper festgestellt wurde, ein Sievert betragen.

Eine durchaus bedenkliche Dosis, die den in Österreich pro Jahr erlaubten Grenzwert für Radiologen um das 50-Fache überschreitet. Radioaktivität im Bereich eines Sievert löst die Strahlenkrankheit aus, sieben Sievert gelten als absolut tödlich. Dazu kommt, dass der Test mit etwa zwei Wochen Verzögerung durchgeführt wurde. Da die messbare Strahlenbelastung mit jedem Tag abnimmt, war die ursprüngliche Dosis vermutlich noch höher. Wie stark die Kontamination der zweiten betroffenen Forscherin ist, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Der Innsbrucker Uni-Rektor Tilmann Märk blieb beim Thema Gesundheitszustand im Rahmen der Pressekonferenz zum Strahlungsunfall in der Alten Chemie vage: „Die Substanz wurde im Urin, aber nicht im Blut festgestellt.“ Erst nächste Woche könne man detaillierte Ergebnisse zur Stärke der Kontamination der beiden Opfer bekannt geben.

Deutlich mehr Details gab die Uni-Führung zum Hergang der Strahlenpanne in der Alten Chemie bekannt. Schauplatz war vor knapp vier Wochen das Isotopenlabor. Der eingangs erwähnte Strahlenexperte, ein außerordentlicher Professor der Innsbrucker Uni, und eine weitere Forscherin hatten den Auftrag, im Rahmen der Übersiedlung radioaktiven Müll (Americium 241) zu verpacken und für den Transport nach Seibersdorf vorzubereiten. „Vermutlich war der Glasbehälter, in dem die Substanz gelagert war, nicht ganz dicht“, schildert Märk: „Außerdem hat sich die Flüssigkeit im Lauf der Zeit verfestigt.“ Und ist so als radioaktiver Staub in die Luft und damit in die Lungen der beiden Forscher gelangt.

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Die gefährliche Panne blieb trotz mehrerer Messungen zwei Wochen lang unbemerkt. Auch, weil im Isotopenlabor ohnehin immer eine gewisse Grundstrahlung vorhanden sei, erklärte Märk. Die zusätzliche Radioaktivität war daher kaum feststellbar.

Ein weiterer Strahlenunfall mit zwei kontaminierten Mitarbeitern Anfang Mai im Kernforschungszentrum Seibersdorf brachte die Wende. Der Innsbrucker Stadtmagistrat und das Lebensministerium beauftragten Uni-fremde Institute mit neuerlichen Messungen. Und die ergaben übereinstimmend eine leicht erhöhte Strahlenbelastung, ausgelöst durch das Americium-Präparat.

Für den Strahlenunfall in Seibersdorf, der vom selben angeblich falsch deklarierten Americium-Präparat verursacht wurde, will die Innsbrucker Uni nicht verantwortlich sein. „Von uns wurde ein korrekt verpacktes und versiegeltes Präparat nach Seibersdorf geschickt“, betonte Märk am Freitagvormittag: „Was in Seibersdorf genau passiert ist, wissen wir nicht“, so der Rektor bei der Pressekonferenz.


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