Zuckersüße Rock-Romantik

Nichts für Carmen Nebel: Die Sportfreunde Stiller produzieren Hits. Und keine Schlager.

Innsbruck –Unlängst promotete Christina Stürmer ihr neues Album in der „Carmen Nebel Show“ und verhunzt­e sich damit – eingeklemmt zwischen Schlager-Acts – das mühsam erarbeitete Pop-Rock-Image. Zu diesem hatten ihr zu Beginn ihrer Karriere vor zehn Jahren auch die Sportfreunde Stiller verholfen – gab Stürmer doch im Finale von „Starmania“ deren Ohrwurm „Ein Kompliment“ zum Besten. Ein schlaues Liebeslied, zu dem wohl schon unzählig­e Turteltäubchen geknutscht haben, allerdings nicht, ohne vorher ausgiebig zu tanzen.

Während Stürmer nun als­o Richtung Helene Fischer tendiert, sind sich Peter, Rüde und Flo treu geblieben. Seit Freitag ist ihr neues Album „New York, Rio, Rosenheim“ (Universal) auf dem Markt, mit dem sie nie und nimmer den Sprung in die „Carmen Nebel Show“ schaffen. Von Schlager keine Spur, selbst wenn da oft und gerne die Liebe besungen wird. Und sich manchmal sogar Herz auf Schmerz reimt. Doch dazwischen steckt jede Menge Indie-Pop-Poesie: So schüttet sich in der Romantik-Rock-Nummer „Wenn Pferd­e schlafen“ einer vor lauter Verliebtheit Zucker ins Bier. Wer das schon süß findet, der wird den Track „Festunge­n und Burgen“ lieben, der einen Schwarm von Schmetterlingen in die Bauchgegend schickt, selbst wenn man gar keine Herzerln in den Augen hat. Dafür „Applaus, Applaus“ – womit wir auch schon bei der ersten Single-Auskoppelung wären, für die man nur ein Kompliment vergeben kann. Gleiches gilt für den Titelsong „New York, Rio, Rosenheim“, in dem die Sonne ausgeknipst wird – und man beim Hören trotzdem strahlt.

Alles super, also? Na ja, fast – es gibt auch ein paar Nieten auf dem Album, für das sich die „Sporties“ ein paar Jährchen Zeit gelassen haben. So sollte sich Drummer Flo aufs Drummen beschränken, wie „Es muss was Wunderbares sein“ beweist. In die Hose ging auch die Experimental-Nummer „Let’s did it“, die nach CD-Fehler klingt – aber mei, welches Album ist schon perfekt? In dieses hier kann man sich trotzdem verknalle­n. Und dabei hoffen, dass man sich bald wieder das Bier verzuckert. (fach)

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