Weg von Schadenfreude und Parteibuch

Der neue Generalstabschef Othmar Commenda fordert von den Soldaten einen neuen Stil. Kritik will er intern äußern.

Sie haben bei Ihrer Präsentation als General­stabschef Ihre Loyalität zu den Ministern betont. Ist das eine bewusste Abgrenzung von Ihrem Vorgänger Edmund Entacher, der sich mit Ex-Minister Norbert Darabos in der Frage der Berufsarmee überworfen hatte?

Othmar Commenda: Überhaupt nicht. Ich halte es nur nicht für sehr charmant, dass man mir nachsagt, ich sei politisch flexibel. Meine Devise lautet, dass ich einem Minister einer demokratischen Regierung meine beste Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen habe, egal welcher Partei er angehört. Wenn ein Minister rein theoretisch putschen würde oder die Verfassung bricht, hätte er ein Problem mit mir. Aber ich lehne es ab, wenn Leute im Bundesheer ihre Arbeitsleistung nach dem Parteibuch erbringen.

Wenn Sie in einer Frage wie dem Wehrsystem anderer Meinung sind als der Minister? Wie reagieren Sie dann?

Commenda: … dann sage ich ihm das unter vier Augen. Aber ich richte ihm nicht über die Medien aus, was er zu tun hat.

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Hat sich die Stimmung im Bundesheer mit dem Wechsel zu Gerald Klug verändert?

Commenda: Ich sage nicht, vorher war alles furchtbar. Für ein Problem sind immer beide Seiten verantwortlich. Minister Klug spricht aber eine Sprache, die wir sehr gut verstehen. Intern ist die Stimmung wie immer: Ein Soldat, der nicht nörgeln kann, ist nicht zufrieden.

Sie sind für fünf Jahre bestellt und arbeiten auf der Basis der Wehrpflicht, die bei der Volksbefragung klar bestätigt wurde. Österreich ist aber eines der letzten Länder in Europa mit der Wehrpflicht.

Commenda: Die Wehrpflicht ist das System mit Netz – die Berufsarmee wäre vermutlich eines ohne Netz gewesen. Besser wäre gewesen, zuerst die künftigen Anforderungen an die Armee zu definieren und dann das dafür ideale Wehrsystem festzulegen. Wir haben mit der Wehrpflicht eine abgesicherte Rekrutierungsbasis. Kameraden aus vielen westeuropäischen Ländern geben unter der Hand zu, dass sie mit ihren Berufsheeren beim Rekrutieren ein Problem haben.

Wo soll in fünf Jahren Ihre Handschrift als Generalstabschef sichtbar sein?

Commenda: Die Abläufe müssen schneller werden. Ich will Dinge, die wir angehen, auch noch aktiv erleben und nicht als Pensionist zum feierlichen Abschluss eingeladen werden. Wir sichern uns bei unseren Entscheidungen tausendprozentig ab, das führt zu Stillstand. Wir müssen wieder risikofreudiger werden. Das ist unser Problem – nicht ob wir von einem System zwei Stück mehr oder weniger haben. Die Truppe funktioniert super. Wenn aber bei uns in der Verwaltung einer einen Fehler macht, hält ihn der andere nicht auf, sondern schaut zu – vielleicht mit Schadenfreude, und vergisst dabei, dass er für die gleiche Firma arbeitet.

Sie haben die Einstellung angesprochen. Was ist mit den Inhalten?

Commenda: Bis Herbst soll die Sicherheitsstrategie fertig sein. Gemäß diesen Anforderungen werden wir die Armee optimieren, und zwar so, dass wir auf neue Herausforderungen flexibel reagieren können.

Und das Geld? Die Finanznot des Heeres ist sprichwörtlich.

Commenda: Wir haben ein klar vorgegebenes Budget. Ob wir damit Freude haben oder nicht – es ist so. Es gibt immer Wunschlisten. Es wäre aber falsch, vor Wahlen mit Wunschlisten hinauszugehen.

Immer wieder ist auch die Rede von Kürzungen, etwa bei Kilometerleistungen für Panzer und Fahrzeuge oder Überstunden für die Ausbildner. Müssen Sie diesen Weg fortsetzen?

Commenda: Wir haben das bereits korrigiert und sind mitten in der Umsetzung.

Ihre erste Aufgabe ist die Reform des Grundwehrdienstes. Was werden junge Männer, die im Herbst einrücken, an Veränderungen schon spüren?

Commenda: Es wird eine Vielzahl von Maßnahmen geben, wobei vieles nicht neu erfunden werden muss. Es hat alles schon gegeben. Wir sprechen jetzt zum Beispiel über Umgangsformen. Wir haben aber schon vor Jahrzehnten den „Knigge“ gehabt, der sich genau damit beschäftigt hat. Man hat das Bundesheer immer wieder krankgeredet. Das Bundesheer ist aber nicht krank, sondern erbringt tolle Leistungen.

Das Gespräch führte Wolfgang Sablatnig.


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