Guatemala lieferte Ex-Präsident Alfonso Portillo an USA aus

In Guatemala-Stadt gab es erneut Proteste gegen die Aufhebung des Urteils gegen Ex-Machthaber Rios Montt.

Guatemala-Stadt - Guatemala hat seinen früheren Präsidenten Alfonso Portillo an die USA ausgeliefert. Der 61-Jährige, der in den USA wegen Unterschlagung und Geldwäsche gesucht wird, bezeichnete das Vorgehen der Behörden vor seinem Abflug am Freitag als „illegal“ und als „Entführung“. Unterdessen demonstrierten in Guatemala-Stadt tausende Menschen gegen die Aufhebung des Urteils gegen den Ex-Machthaber Efrain Rios Montt.

Portillo wurde begleitet von US-Ermittlern an Bord einer Militärmaschine ausgeflogen. Mit den Worten „Hasta luego (bis später), Volk Guatemalas“, verabschiedete er sich am Flughafen in Guatemala-Stadt. Das Vorgehen der Justiz bezeichnete er als „politische Verfolgung“. „Sie haben alle meine Rechte verletzt“, sagte Portillo, der in den Jahren 2000 bis 2004 an der Spitze des zentralamerikanischen Landes stand. Er werde zurückkommen, kündigte er an. „Wir werden dort drüben die Beweise zerstreuen.“

Guatemala ist das erste lateinamerikanische Land, das einen ehemaligen Staatschef an die USA ausliefert. Ein Sprecher des US-Außenministeriums begrüßte das Vorgehen der guatemaltekischen Behörden als „Stärkung des Rechtsstaats“ und des „Kampfes gegen das organisierte Verbrechen und die Korruption“.

Portillo war Ende Jänner im Norden Guatemalas festgenommen worden. Der Ex-Präsident war 2005 nach Mexiko geflohen, nachdem er seine Immunität verloren hatte. Im Oktober 2008 wurde er nach Guatemala ausgeliefert, wo er gegen Kaution bis zu Beginn seines dortigen Prozesses auf freiem Fuß bleiben sollte. Anfang 2010 wurde er inhaftiert, als er versuchte, sich nach Belize abzusetzen.

Ein New Yorker Gericht klagte Portillo im Jänner 2010 wegen Geldwäsche und Untreue an. Er soll während seiner Regierungszeit 70 Millionen Dollar (54 Millionen Euro) Staatsgeld beiseite geschafft und bei mehreren Banken in den USA und in Europa gewaschen haben. Im November 2011 gab der damalige Präsident Alvaro Colom grünes Licht für die Auslieferung an die USA.

Die Aufhebung des Urteils gegen Rios Montt trieb am Freitag in Guatemala-Stadt sowie in anderen lateinamerikanischen Ländern tausende Menschen auf die Straße. Der 86-Jährige war am 10. Mai wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Haft verurteilt worden, das Verfassungsgericht hob das Urteil jedoch am Montag wegen Verfahrensfehlern auf.

An der Demonstration in Guatemala-Stadt nahmen vor allem Ureinwohner und Menschenrechtsaktivisten teil. „Sie haben mein Haus niedergebrannt“, sagte die 73-jährige Rosa Ramirez. Rios Montt wird für mehrere Massaker an Maya-Ureinwohnern während seiner Herrschaft zwischen 1982 und 1983 verantwortlich gemacht. Bei bei 15 Massakern im Departamento Quiche im Norden des Landes wurden 1771 Ixil-Maya umgebracht.

Rios Montt war im März 1982 durch einen Putsch an die Macht gelangt und regierte Guatemala bis zu seinem Sturz im August 1983 mit harter Hand. Der Prozess gegen ihn war der erste Versuch einer juristischen Aufarbeitung der Verbrechen während des Bürgerkriegs, bei dem nach UN-Angaben zwischen 1960 und 1996 mehr als 200.000 Menschen getötet worden waren. (APA/AFP)


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