Almkommission ebnet Weg für Neuanfang auf Almen

Almkommission schlägt Feststellung der vorläufigen Almfutterflächen vor. Franz Fischler sieht damit Sanktionen für die Bauern abgewendet.

Von Peter Nindler

Innsbruck –Seit wenigen Tagen liegt von der Sonderkommission Almen ausgearbeitete Vorschlag zur vorläufigen Lösung der Almmisere vor. Der Vorsitzende der Expertengruppe, Franz Fischler, hat ihn Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich präsentiert. Wie der ehemalige EU-Agrarkommissar bereits bei der Einsetzung der von ihm geleiteten Almkommission im April erklärt hatte, soll eine mehrstufige Vorgangsweise die Situation entschärfen. Den 10.000 Tiroler Almbauern, die ihr Vieh vor allem auf Gemeinschaftsalmen auftreiben, sowie den Besitzern und Pächtern der 2300 Almen drohen wegen zu viel angegebener Futterflächen hohe Strafzahlungen und Förderungsrückzahlungen.

Für die Bauern gibt es eine gute und eine weniger gute Nachricht: Die horrenden Sanktionen dürften mit dem Fischler-Modell vom Tisch sein, die zu viel bezogenen Förderungen müssten aber zurückgezahlt werden.

Worauf baut jetzt der Lösungsvorschlag auf? Angelpunkt ist die Feststellung der vorläufigen Referenzfläche. Im Rahmen der Bildschirmauswertungen bei 1200 der 1500 kontrollierten Tiroler Almen hat die Agrarmarkt Austria/AMA Abweichungen von mehr als sieben Prozent der 2012 in den Förderanträgen beantragten Futterfläche festgestellt. Weil die AMA im Vorjahr bei Kontrollen auf den Almen zudem eine hohe Fehlerquote in den Angaben erkannte, müssen die Vor-Ort-Kontrollen für heuer massiv ausgeweitet werden. Rund 50 Prozent der heimischen Almwiesen werden demnach direkt kontrolliert. Und hier liegt das Problem.

Die Vor-Ort-Kontrolle ist ein amtliches Verfahren. Ist die Futterflächenangabe in den Förderanträgen (Mehrfachanträge) für 2013 nach wie vor zu hoch, weil der Anteil der nichtlandwirtschaftlichen Nutzflächen (Schotter, Geröll, Bäume) zu gering bewertet wurde, kommt es nicht zu Förderrückzahlungen, sondern zu den Sanktionen. Die Strafen sind um ein Vielfaches höher als die Rücküberweisung der Agrarsubventionen.

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Aus der Sicht Fischlers gibt es jetzt drei Möglichkeiten: „Erstens die von der AMA angegeben Fläche passt. Zweitens die Abweichungen sind gering, dass der Bauer sie akzeptieren kann. Sollte es aber große Differenzen geben, muss es zwischen Bauern, den Beratern der Landwirtschaftskammern und der AMA zu einem Abgleich kommen.“ Dafür werde laut Fischler auch eine Hotline eingerichtet. Die digitalisierten Almflächen müssten „Schlag für Schlag“ (Flächeneinteilung je nach Futterflächengrad) analysiert und notfalls die Schläge neu eingeteilt werden. „Schließlich ist dann noch die Vor-Ort-Begehung für die Feststellung der vorläufigen Referenzfläche möglich“, fügt Fischler hinzu.

Er gehe davon aus, dass es durch dieses Verfahren dann keine bösen Überraschungen mehr bei den Vor-Ort-Kontrollen geben werde. „Weil das vorläufige Ergebnis wohl schon die endgültige Fläche sein wird.“ Der Vorteil für die Bauern: Sie sind so das Damoklesschwert der Sanktionen los, „und das ist das Wichtigste“, betont Fischler.

Die EU-Kommission wird die Frist für die Förderanträge, deren Basis die Almfutterfläche ist, voraussichtlich bis 28. Juni erstrecken. Als nächsten Schritt kündigt Fischler dann einen neuen Almleitfaden an, damit in Zukunft eine transparente und für alle nachvollziehbare Almfutterflächenbewertung möglich ist.


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