Ein Blick ins Leben einer Frau im 30-jährigen Krieg

Nach 350 Jahren im Waldboden und viereinhalb Jahren wissenschaftlicher Untersuchung ist noch immer unklar, wie die Heilerin vom Gurgltal starb.

Von Renate Schnegg

Tarrenz –Kilometerweit vom nächsten Friedhof und damit von geweihter Erde entfernt, 80 Zentimeter tief im Boden – mit dem Gesicht nach unten – achtlos verscharrt, mehr als 180 „Heilutensilien“ der damaligen Zeit wie Schröpfköpfe, Schere, Schlüssel oder Bergkristall um sich herum verteilt: Die Rede ist von der „Heilerin vom Gurgltal“, deren Museum am Wochenende feierlich eröffnet wurde (siehe Blitzlichter links).

Einen Teil des Frauenskelettes aus dem 17. Jahrhundert entdeckte Christian Deutschmann bereits 2003 im Strader Wald. Jochen Reheis stieß im Jahre 2008 erneut darauf. Für die Archäologen ein sensationeller Fund, denn „die Art der Bestattung und die Vielzahl an Objekten ist österreichweit einzigartig“, bekräftigt Harald Stadler vom Institut für Archäologien der Uni Innsbruck. Er und sein Team bargen den Fund, untersuchten ihn in den letzten viereinhalb Jahren, zogen Experten anderer Fachrichtungen und Universitäten bei.

Was bislang feststeht: Die Frau war rund 40 Jahre alt und einen Meter sechzig groß. „Sie hatte entsetzliche Abszesse im Mundraum, die sogar schon den Kieferknochen angegriffen hatten“, erklärt Stadler. Für ihn stellt sich die Frage: „Warum konnte sich die Frau, die angesichts der Beigaben heilkundig war, nicht selbst helfen?“

Das ist allerdings nur eine der vielen Fragen, die noch offen sind: Nach wie vor unklar ist, warum, wie oder durch wen die Frau starb, warum fehlen die Schuhe und woher stammte sie eigentlich? Die Untersuchungen laufen nach wie vor auf Hochtouren. Die Farbe der Augen soll ebenso geklärt werden wie die genetische Zugehörigkeit.

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Das wissenschaftliche „Griss“ um die Heilerin ist jedenfalls enorm, „wir hatten viele Anfragen um Ausleihe aus der Schweiz und Deutschland“, sagt der Archäologe. Aus bekannten Gründen habe man aber absagen müssen. „Auch esoterische Zirkel und sogar Heilerinnen im aktiven Stand haben sich bei uns gemeldet“, fügt Stadler an.

Warum die Heilerin bleibt, wo sie ist, klärt der Tarrenzer Bürgermeister Rudolf Köll auf: „Wir haben gleich zu Beginn mit der Uni ausgemacht, dass die Heilerin quer durch die Forschung gehen darf, aber auf jeden Fall wieder nach Tarrenz zurück muss.“ Man brauche nämlich kein solches Gerangel, wie es seinerzeit um den Ötzi entbrannt sei.

Wie das Leben und Ende der Heilerin ausgesehen haben könnte, versucht der Film „Die Heilerin vom Gurgltal“ des Wiener Regisseurs Manfred Corrine, der auch „Der Silberberg“ drehte, darzustellen. „Dieser Frau und ihrem besonderen Schicksal die letzte Ehre zu erweisen, ist bei all der Arbeit und den Mitarbeitern mitgeschwungen. Ich hoffe, das kommt im Film rüber“, meint Corrine.


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