Reisen in der letzten Minute wird teurer

Von Beate Troger...

Von Beate Troger

Innsbruck –Wer derzeit im nasskalten Spätfrühling in Tirol noch auf günstige Last-Minute-Reiseschnäppchen hofft, dürfte bitter enttäuscht werden. Die Restplatzangebote generell sind in der Reisebranche in den vergangenen Jahren drastisch geschrumpft. Auch die Rechnung, dass kurz vor Abflug gebuchte Reisen wesentlich billiger sind, geht nicht mehr auf. „Die Veranstalter planen vorsichtiger und geben überschüssige Kontingente bei Flügen und Hotels lieber zurück, anstatt sie billig auf den Markt zu werfen“, sagt Tourismusforscher Edgar Kreilkampf von der Universität Lüneburg.

Diese Trendumkehr bestätigt auch Andreas Kröll, Sprecher der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Tiro­l. „Um Muskeln spielen zu lassen, haben die Reiseveranstalter bis vor etwa zwei Jahren Hunderttausende Flugsessel und Hotelbetten im Voraus aufgekauft“, erklärt Kröll. Dies könnten sich die Reiseveranstalter, aber auch die Airlines nicht mehr leisten, „sie müssen viel näher an der Realität planen“. Die Zeiten des Massengeschäfts seie­n vorbei, ist Kröll überzeugt, „Last-Minute-Angebote mit einem unglaublichen Preisnachlass von 50 bis 70 Prozent sind heute nicht mehr möglich.“ Obwohl es nach wie vor auch bei Reisen eine Art „Sommerschlussverkauf“ gebe und auch kurz vor Abreise günstige Angebote verfügbar sein können, sei die Auswahl sehr stark eingeschränkt.

Wie Herbert Schatz, Marketingchef des Tiroler Landes­reisebüros ausführt, hätten vor allem Hightech-Buchungsprogramme eine genauere Planung der Kontingente möglich gemacht. Das habe den einst riesigen Kurzfrist-Reisemarkt in den vergangenen zwei, drei Jahren stark einbrechen lassen. „Es gibt zwar auch in letzter Minute noch den ein oder anderen freien Platz, aber die Preise sind nicht mehr im Kelle­r“, sagt auch Schatz.

Beim europäischen Marktführer TUI werden Konzernangaben zufolge zwischen 45 bis 50 Prozent aller Urlaube etwa vier Monate vor Reisebeginn gebucht, 15 Prozent entschließen sich erst vier Wochen vor Abflug. Wenn es um den Sommerurlaub geht, zählen die Tiroler zu den Frühentschlossenen: „Der Großteil bucht bereits zwischen Mitte Jänner und Ende März“, weiß Branchenkenner Andrea­s Kröll.


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