Und am Ende steht der Anfang

Der Mut der Erler Passionsspieler hat sich im Jubiläumsjahr bezahlt gemacht. Die berührende Jubiläumspassion aus der Feder von Felix Mitterer und unter der Regie von Markus Plattner begeistert.

Von Wolfgang Otter

Erl –Wie kann man eine Geschichte – und sei sie noch so dramatisch – deren Verlauf und Ende bereits jedes Kind kennt, spannend umsetzen? Die Erler haben dazu die richtige Formel gefunden: Sie holten sich mit Felix Mitterer einen großen Dramaturgen, dessen Text dann von einem mutigen und kreativen Kopf, wie es Regisseur Markus Plattner einer ist, auf die Bühne gebracht wird. Dazu mischten sich ein eindrucksvolles Lichtdesign von Ralf Wapler als Säule der Aufführung, ein reduziertes, jedoch stimmiges Bühnenbild von Annelie Büchner und die Kostüme von Lenka Radecky. Hinzu kommt noch die stimmungsvoll untermalende Musik von Wolfram Wagner, gekonnt von den Musikern unter der Leitung von Bernhard Sieberer umgesetzt.

Das Ergebnis dieser Mixtur ist eine gelungene Jubiläums­passion in selten gesehener Intensivität, für die die rund 500 teilnehmenden Erler die Bühne des Passionsspielhauses gedanklich leerräumten und bewiesen, dass sie gemeinsam eine neue Ära einläuten können.

Mitterer entromantisiert dazu in seinem Text das Sterben von Jesus. Bei ihm ist kein Platz für Heroenkult. Jesus leidet auf der Bühne, er schreit, jammert und weint und als er gar in Visionen den künftigen Missbrauch seiner Religion, seines Glaubens sieht, erlebt diese Passion ihre stärksten Minuten – und Hauptdarsteller Erwin Kronthaler (er spielt alternierend mit Florian Harlander) in seiner schweren Aufgabe eine Sternstunde. Die Botschaft lautet: Jesus ist ein Mensch, der eine übermenschliche Aufgabe übernommen hat und nun an der Falschheit und Härte der Umwelt zu zerbrechen droht. Auf dem Weg zum Kreuz lässt Kronthaler die Zuschauer mitzittern und die Not des dem Tode Geweihten miterleben.

Mitterer geht auch bei den Frauenfiguren einen neuen Weg. Maria Magdalena (Nicola Daxer) wird bei ihm zur Gefährtin von Jesus Christus, zur Apostelin, die er beauftragt, seine Religion in die Welt zu tragen. Er weiß dabei, dass er ihr viel abverlangt, denn sie ist eine Frau und wird verleugnet werden. Eine ganz klare Botschaft des Autors an die katholische Kirche.

Und dann ist da die zweite Hauptrolle: Judas (fulminant Gerhard Kneringer), der Verräter aus Liebe, aus Leidenschaft, der Jesus dazu zwingen will, einen Volksaufstand heraufzubeschwören, indem er sich gegen die Peiniger wehrt. Judas ist der große Verlierer bei diesem politischen Ränkespiel. Denn um Politik geht es dem Hohen Rat und so lässt Regisseur Markus Plattner die Erler auf einem imaginären Schachspiel Zug um Zug Jesus dem Tod näherkommen.

Plattner erwies sich letztlich als Glücksgriff. Konnte er doch stimmungsvolle Bilder zeichnen und mit vielen neuen Ideen (die runde Tafel des Abendmahls) die Spannung aufrechterhalten. So auch das Ende: Der wiederauferstandene Jesus (Harald Osterauer) setzt sich unter das Publikum, während der tote in den Armen seiner Mutter liegt.

Das Publikum war restlos begeistert: Standing Ovations für die exzellente Ensembleleistung und die gekonnte Inszenierung.

Eines haben Mitterer, Plattner und die Erler bei allen Änderungen gleich gelassen: Die Botschaft, dass am Ende dieser Geschichte eigentlich der Anfang steht.


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